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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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he wir die Beschrei­bung der Kolonial Ausstellung beginnen, müssen wir kurz die Zufahrten kenn­zeichnen. Die Ausstellung, welche ein 6o ooo qm grosses Areal umfasste, das durch die Köpenicker Landstrasse in zwei Teile geteilt war, konnte durch fünf Eingänge zu Lande und eine Landungsstelle am Karpfenteich betreten werden. Der 1 Iaupteingang ging (siehe Plan der Ausstellung) durch Portal VII über das Ge­bäude der Gewerbe-Ausstellung, ein anderer war an einer Haltestelle der elektrischen Rundbahn an­gebracht. Ein anderer Haupteingang führte von der Köpenicker Landstrasse in die Araberstadt, in die auch noch zwei Eingänge vom Vergnügungspark führten. Die Verbindung zwischen der Ausstellung der Eingeborenen und dem wissenschaftlich-kom­merziellen Teil wurde durch eine Brücke vermittelt.

Dem Besucher der Ausstellung, welcher von der Hauptausstellung seine Schritte nach dem Karpfen­teich lenkte, musste bei näherer Umschau sofort die dem Charakter der Kolonial-Ausstellung an­gepasste originelle Ein­gangspforte in die Augen fallen. Kunstvoll ge­schnitzte, groteske Süd­

see- Tanzmasken und andere eth- nologischeMerkwtirdigkeiten zier­ten die Front eines den Einge­borenenhäusern von Neu-Guinea nach­gebildeten Hauses. Mit einiger Phantasie konnte man es mit seinen Giebelspitzen aus der Ferne einem gewaltigen, eben im Auffliegen begriffenen Vogel oder fabelhaftem Geschöpf vergleichen, und der Eindruck von etwas Phantastischem wirkte noch lange nach. Dieses Haus sah schon täuschend echt aus, und der Kenner freute sich, wenn er für den Umfassungszaun ost­afrikanische Boritis (Stämme aus Mangroveholz) und Hirsestengel, die fast so dick wie Bambus waren, verwendet fand.

Nach Erlegung des üblichen Obolus betrat der Besucher zuerst die für Kamerun bestimmte Ab­teilung, und sein Blick fiel sofort auf die Busch- faktorei, auf einige buntbemalte, mit phantastischen Schnitzereien an der Spitze verzierte Kanus der Ka­meruner und auf die Strasse des Kamerundorfes. Dass man die Buschfaktorei von der eigentlichen

Dorfstrasse entfernt angelegt hatte, war vielleicht unabsicht­lich, entbehrte aber nicht einer gewissen Begründung. Denn

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