An Dr. Friedrich Mayer, Professor am Eden College zu St. Louis, Missouri
Lieber Freund!
Die Kriegserklärung der Union machte unserem brieflichen Verkehr ein Ende, und so konnte ich Dir die Einzelheiten der Pläne nicht mehr mitteilen, deren Leitgedanken Du so lebhaft zustimmtest. Der letzte Brief, der mich von Dir erreichte, enthielt die Mitteilung, daß die «Evangelische Synode" die Verwirklichung meiner Vorschläge mit Freuden begrüße und die nötigen Schritte von mir erwarte. Inzwischen sind die Dinge weiter gediehen. Der Kreis derer, die ein Interesse gewannen an den vorgetragenen Gedanken, hat sich ständig erweitert, und es scheint fast, als sei der Erfolg bereits sichergestellt. Ich weiß nun nicht mehr, ob ich es Dir mit genügender Deutlichkeit erklärt, daß es sich bei unserem Unternehmen keineswegs nur um eine Veranstaltung zwischen dem Reich und den amerikanischen Deutschen handelt, sondern daß das gesamte Ausland- deutschtum mit seinen Interessen und Aufgaben in Frage steht. Von Amerika kann ohnedies jetzt nicht wohl geredet werden. Der Widerwille gegen die Union ist um so größer, da man sich in den Jahren vor dem Krieg um das Wohlwollen gerade des amerikanischen Volkes in ganz außerordentlicher Meise bemüht hatte, und da die eigenartige Neutralität der Vereinigten Staaten zusammen mit dem Gebühren ihres Präsidenten bei einem Volke, das noch nicht aller Selbstachtung bar ist, nur Abscheu erwecken konnte.
Weiser, Auslanddeutschtum 1