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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
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der Firmen, Plantagen und Missionsgesellschaften rekrutieren soll, und dessen Gutachten von der Kolonialbehörde einzuholen sind; 2. Kommunalverwaltungen für sämtliche größere Europäerniederlassungen in den Kolonien. Die Erfüllung der ersten als der wesentlichen der beiden Forderungen, würde entschieden unsere kolonialen Verwaltungsmaßnahmen endlich mit etwas mehr kaufmännischem Geiste befruchten können. Leider hat Oloff selbst seinem Antrage die Perle aus der Krone genommen. Er hat, um der deutschen Kolonialgesellschaft die An­nahme seines Antrages zu erleichtern, die Forderung des beschlußfassenden Rechtes für diesen Beirat fallen lassen. Ohne dieses aber würde zu den schon bestehenden Kolonialkorporationen, wie Kolonialrat und Gouvernementsbeirat, nur noch eine neue mehr geschaffen, die beraten, reden, Anträge stellen, protestieren, Versammlungen, Tagungen halten darf rc., wozu der Deutsche ja so gern bereit ist, deren Ansichten aber in keiner Weise bindend sind. Nur mit beschlußfassendem Rechte kann eine solche Körperschaft eine wirkliche Bedeutung für die Entwicklung der Kolonien gewinnen. Wenn dieses Recht auch nur in Gemeinschaft mit der Reichsbehörde ausgeübt werden könnte, und selbst wenn es sich lediglich auf den Etat erstreckte, so wäre damit doch schon die Möglichkeit eines weitgehenden Einflusses gesichert.

Jaunde, den 25. Dezember 1905.

Die einzige Bescherung, die mir der Weihnachtsabend diesmal gebracht hat, war die durch Eilboten übermittelte Nachricht, daß Dr. G. von der Süd­expedition im Aufstandsgebiete sehr schwer erkrankt sei, und daß für ihn ärztliche Hilfe und Ablösung erbeten werde. Was bleibt mir anderes übrig, als nach zehntägiger Pause schleunigst wieder meine Blechkoffer zu packen und so rasch als möglich zu ihm zu reisen. Der heutige Tag vergeht mit der Besorgung von Trägern und sonstigen Reisevorbereitungen, und morgen in aller Frühe will ich nur mit dem unentbehrlichsten Gepäck, unter Verzicht auf das Zelt, um möglichst wenig durch den Transport der Lasten behindert zu sein, aufbrechen. Der größere Teil des Weges ist derselbe, den ich eben glücklich hinter mir hatte. Selbst bei größter Beschleunigung kann ich den Kranken vor sieben bis acht Tagen nicht erreichen. Die afrikanische Landpraxis erfordert harte Proben der Geduld und Willenskraft, ganz abgesehen vom körperlichen Können. Einige 100 Kilometer Urwaldmarsch stehen mir wieder bevor; daheim zu gleicher Zeit Winterschnee, Tannenbaum und Weihnachtsfreude. Aber ich gehe gern in der Hoffnung, einem Kranken nützen zu können und tröste mich damit, daß es vor meinem Heimatsurlaube, den ich Anfang Februar antreten darf, endgiltig die letzte Wanderung sein wird.

Im Feldlager von Ebolobingon, am 4. Januar 1906.

Seit gestern bin ich glücklich am Ziele, und die größte Freude, die mich für alle Anstrengungen meiner Eilmärsche reich entschädigt, ist die, daß ich einen zwar immer noch ernstlich Kranken vorfinde, der aber offenbar inzwischen über die Krisis seines Zustandes glücklich hinaus ist. Dr. G. leidet an einer heftigen tropischen Dysenterie, die zu sehr bedrohlichen Erscheinungen geführt hatte und ihn noch jetzt aus Lager fesselt. Aber nach gründlicher Untersuchung bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß keine sonstigen Komplikationen (Leber- absceß oder dergl.) vorliegen, und daß die Krankheit über ihren Höhepunkt hinaus ist. Wir haben gemeinsam den Kurplan festgelegt, und sobald der