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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
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Jaunde, den 4. November 1905.

Meine Freude an Jaunde hat nicht lange gedauert. Wieder kann ich einpacken und zum Bambuswanderstabe greifen, um 7 Tagemärsche ostwärts nach Akonelinga zu ziehen. Zu Hause würde man die ganze Entfernung zwischen beiden Orten mit dem Schnellzuge in zwei Stunden durchführen können. Eben wurde mir eine Weisung des Gouvernements überbracht, die nach Edea tele­graphiert und von dort durch Eilboten weiter befördert worden war, daß ich auf Ansuchen der Südexpedition, die in der Nähe dieses Ortes ihr Operations­gebiet hat, die Behandlung der im Gefechte Verwundeten zu übernehmen habe. Ich weiß nicht, ob Dr. G., der vor einigen Monaten von Kribi aus zur Expedition gestoßen war, erkrankte, oder ob die Zahl der Verwundeten für einen Arzt zu groß geworden ist, oder welcher Grund sonst zu diesem Austrage vor­liegt. Ich hoffe, bis morgen abend mit den Vorbereitungen fertig zu werden, um übermorgen schon abmarschieren zu können. Akonelinga ist zur Zeit mit einem weißen Feldwebel besetzt, alles nähere werde ich dort hoffentlich erfahren. Ich freue mich auf das bevorstehende kriegschirurgische Handwerk und will den Marsch möglichst beschleunigen. Die Wege sind gut, und es ist teilweise Park­landschaft, die ich durchziehen muß; auch die Regenzeit hat hier bereits auf­gehört.

Sensoge, den 6. November 1905.

Heute früh bin ich mit 20 Trägern aufgebrochen, die außer meinem Zelt und dem notwendigsten persönlichen Gepäck einige Lasten Medikamente und Ver­bandzeug mit sich führen, um auf alle Fälle erst für den Anfang meiner voraus­sichtlichen Tätigkeit etwas zur Hand zu haben. Leider bin ich fast ohne Instrumente, aber ich hoffe, aus der Ausrüstung der Schutztruppenexpedition Ergänzung bekommen zu können. Außer den Lastträgern marschiert ein Auf­gebot von 16 schwarzen Soldaten mit mir unter dem Befehle des Unteroffiziers Finboy, die Patronentaschen wohl gefüllt mit Munition, von der hoffentlich nichts in Gebrauch genommen werden muß. Doch Herr v. Kr. hat mir Vor­sicht für den Marsch angeraten, da noch im Juni auf diesem selben Wege der Polizeimeister M. von der Station Jaunde ein recht ernstes Gefecht zu be­stehen hatte, bei dem es 30 Gefallene gab. Für meine eigene Sicherheit habe ich einen Karabiner mitgenommen, den Malobe neben dem Schmetterlingsnetz mit sich schleppen muß. Die Landschaft ist leicht wellig, mit hohem Gras be­wachsen, in dem überall Waldpartlen eingestreut liegen. Der Charakter der Ein­geborenen und die Bauart ihrer Hütten unterscheidet sich bisher in nichts von den Jaundes.

Bidemenga, den 8. November 1905.

Mein heutiges Rastziel ist Bidemenga, ein für hiesige Verhältnisse sehr ansehnliches Dorf; ich zählte 53 Hütten; eine weitere Anzahl von ihnen steht im Bau, aber nicht als Zeichen der Ausdehnung des Ortes, sondern weil sie vor etwa 23 Jahren bei der ersten innigeren Bekanntschaft mit dem Europäer in Flammen aufgegangen waren. Da die Dörfer der hiesigen Eingeborenen­stämme nicht wie in Togo dicht zusammengedrängt mit engen Gaffen gebaut werden, sondern die ganze Anlage stets in zwei parallel laufenden, weit aus-

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