Das Räderwerk der hiesigen Regierungsmaschine ist weit komplizierter als in Togo; aber auch die Gefahr, daß ihr Betrieb unübersichtlich wird, und Störungen leichter eintreten, ist erhöht, zumal der Kraftantrieb von Buna aus oft eine lange Strecke zu durchlaufen hat, ehe er bis in die einzelnen Teile der Peripherie vordringt.
Kribi, in Süd-Kamerun, den 2. September 1905.
Lieber Andrä!
Dein unerwarteter Brief war mir eine große Freude. Ich möchte wohl wissen, was Dich nach zwölf langen Jahren dazu brachte, unserer gemeinsamen Primanerzeit wieder zu gedenken und meine Spur aufzusuchen? Vielleicht der Gedanke, daß wir beide als Reaktion auf die Jahre eines gestrengen Internates den Staub der heimatlichen Erde von den Füßen geschüttelt haben und in die Ferne zogen?
Deinen Wunsch, Dir meine Odyssee mitzuteilen, seit sich unsere Wege trennten, erfülle ich gern. Freilich kann ich Dir nur die Ueberschriften ihrer einzelnen Bücher geben. Aber falls Dich eines derselben besonders interessieren sollte, erhältst Du später gern Einzelheiten. Ich hoffe, wir werden uns auf einem Heimatsurlaube vielleicht zusammen mit noch anderen aluwais guonäain OriwsnsibuZ einmal in den Hallen der ehrwürdigen alwa, water wieder finden. Hast Du sie je wieder gesehen? Ihr Wesen mit all den großen Vorzügen und kleinen Schattenseiten ist ganz das alte geblieben. Aber ihr äußeres Gewand hat sie immer mehr verschönert, und an das alte Augustinerkloster erinnert nichts mehr. An den Experimenten der modernen Reformbewegung hat sie sich nicht beteiligt, und sie tut gut daran, die Resultate abzuwarten. I'artuiiunt inont68. Vielleicht sind wir schon in der Reaktion gegen die antihumanistischen Bestrebungen drin. Eins müßte uns eigentlich bei dieser ganzen Sache stutzig machen, daß andere Völker, selbst die nüchternen Engländer und Amerikaner, gerade die klassischen Studien unter ihrer Jugend mit großem Nachdruck zu fördern suchen, doch wohl, weil sie gerade diese als den Grund für unsere bevorzugte Stellung auf geistigem Gebiete ahnen. Nach meinem Laienverstande wird bei dem ganzen Streite viel zu sehr Gewicht auf die Frage gelegt, was unterrichtet werden soll, und viel zu wenig auf die andere, wie es zu geschehen hat. Der richtige Mann wird auch aus einem scheinbar spröden Stoffe einen Funken des Idealismus hervorzaubern, während ein pädagogischer Stümper alle die schönen Dinge, für die unsere Reformer schwärmen, dem Schüler elend verleiden kann. Nachdem ich der alwa watsr drimsnsis entronnen war, verlebte ich in Leipzig, Marburg, München, Freiburg und Kiel eine ungetrübte, oft recht feuchtfröhliche Studentenzeit. Ich wechselte, wie Du siehst, planmäßig zwischen Mittel-, Süd- und Norddeutschland, denn wir Mediziner sind ja im Gegensatz zu den Studierenden anderer Fakultäten in der glücklichen Lage, daß unse rStudienobjekt, der lloino saxisns, in allen Bundesstaaten so ungefähr die gleichen physischen, psychischen und pathologischen Eigenschaften entwickelt, sodaß man nicht genötigt ist, auf eine lokale, beschränkte Examenweisheit einzelner Professoren Rücksicht zu nehmen. So lernte ich neben dem Studium noch ein gut Stück Welt kennen. Trotz der manchmal recht heftigen Sturm- und Trankperiode ging mir ein Erbteil unserer alten Fürstenschule nie verloren, wofür wir, glaube ich, ihr besonders dankbar sein sollten: Die Lust und Freude an der Arbeit. Nach Erledigung meiner Examina diente ich bei der Kriegsmarine meine Freiwilligenzeit und zog als Assistenzarzt wieder den Zivilrock an. Ich kam als junger Anfänger während dieser Monate natürlich wenig auf die See,