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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
Entstehung
Seite
175
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ängstigung der Gemüter erspart blieb. Hoffentlich wird nunmehr an der Assanierung des Ortes noch lebhafter gearbeitet als bisher. Geschieht nichts, oder begnügt man sich mit halben Maßnahmen, so halte ich's für leicht möglich, daß Togo ein neues Aufflackern des Gelbfiebers erlebt. Für die vom Hamburger Tropeninstitute ver­suchte Polemik habe ich nur ein selbstbewußtes, souveränes Lächeln. Wenn es nicht gelang, von Anfang an die Seuche zu erkennen und nachdrücklich zu be­kämpfen, wenn sie sich, wie an den meisten anderen Einbruchsstellen, festnistete und endemisch wurde, dann war auf lange Zeit die Entwicklung Togos beein­trächtigt, der Schiffsverkehr gehemmt, die Europäer ungleich mehr als sonst in ihrem Leben gefährdet. Hoffentlich hat auch das benachbarte Dahomey nun dauernde Ruhe. Sie haben mir ja in diesen ernsten Monaten der Gefahr am treuesten geholfen und obendrein durch die schwere Pflege und den anstrengenden übrigen Hospitaldienst sich eine ungewöhnliche Arbeitslast, zugemutet. Möge Sie das schöne Bewußtsein der erfolgreich geleisteten Arbeit für Ihre Mühen ent­schädigen, auch wenn Ihnen außer mir niemand dankbar sein sollte. Die Arbeit unterm roten Kreuze trägt ihren besten Dank in sich selbst. Hoffentlich ist es mir möglich, zu Anfang des nächsten Jahres, bei Antritt eines Heimatsurlaubes dem alten Heime einen kurzen Besuch abzustatten. Ich würde mich freuen, dann auch Sie in voller Gesundheit wieder zu sehen und ein Stündchen mit Ihnen auf der Veranda zu verplaudern und gemeinsam alte Erinnerungen wach zu rufen.

Grüßen Sie das übrige Krankenhaus, auch die Schwarzen darin und alle, die sich meiner erinnern. Auf Wiedersehn in einem halben Jahre!

Ihr Dr. K.

Kribi, am 12. August 1905.

Am 6. August brachte uns die Nachtigal von Duala nach Kribi. Mit mir zugleich machte I)r. G. von der Schutztruppe die Reise, der von Kribi aus zu der seit Juni im sogenannten Aufstandsgebiet von Südkamerun fechtenden Expedition stoßen sollte. Bisher war diese ohne jeden Arzt. Die See war schlecht, und unser kleiner Dampfer hatte schwer gegen sie anzukämpfen, sodaß ihm die Fahrt, die er sonst in 9 Stunden zurücklegt, diesmal erst nach 14 Stunden glückte. Auf der Weiterreise nach Campo hat er auch noch das Unglück gehabt, sich an einem Felsenriffe den Leib aufzureißen, sodaß er nur mühsam nach Duala ins Dock kommen konnte. Der arme G. war ununterbrochen seekrank. Vorgestern früh zog er mit seinen Lasten ab; er hat gut 4 Wochen Marsch vor sich, größtenteils durch unwegsames und dazu unruhiges Gebiet hinauf zum Oberlaufe des Njong, zum Operationsgebiete der Kompagnie, zu der er zu stoßen hat.

Die ganze Küste Südkameruns ist bis unmittelbar ans Meer heran von einem dichten Urwaldgürtel umsäumt, der sich in einer Breite von 200 Icm ins Innere hinein erstreckt und dann in die Park- und Steppenlandschaft des Sudans übergeht. Kribi selbst liegt an der Mündungsbucht des Kribiflusses, der hier aus dem Waldesdunkel heraus über ein buntes Gewirr von Felsblöcken herab schäumend dem Meere zuströmt. Nicht mehr als 1 Quadratkilometer des welligen Terrains, vom Flusse in zwei Teile zerschnitten, ist notdürftig vom Walde gesäubert. Auf diesem freien Platze liegt der Ort. Dicht hinter ihm führt eine Straße, oder richtiger die Straße, denn es ist die einzige größere des ganzen Südbezirkes, in den Wald hinein. Was sich in seinem Innern zu beiden Seiten des Weges birgt, wissen wir noch nicht; wir wissen noch nicht einmal, ob und wieviel Niederlassungen von Eingeborenen im Walde verborgen liegen; kurz: die wirkliche Erschließung des Kribibezirkes, selbst die politische, harrt noch ihres Meisters.