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halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß außer den in unserer Behandlung gewesenen Gelbfieberpatienten noch andere, gerade in dieser Zeit vorgekommene, scheinbar leichtere fieberhafte Erkrankungen dem Gelbfieber zuzuzählen waren. Auffällig war mir z. B., daß in der katholischen Mission, abgesehen von drei tödlich endenden Gelbfiebersällen noch eine Reihe anderer Mitglieder des Konventes in denselben Wochen erkrankten. Zwei von ihnen konnte ich beobachten und behandeln. Obwohl in ihrem Blute Malariaparasiten zu finden waren, blieb für mich dennoch der Verdacht auf Gelbfieber bestehen, weil der Gesamteindruck eher für letzteres sprechen mußte. Charakteristisch war mir dabei, daß einer der beiden Patienten, Pater S., der schon mehrere Jahre in den Tropen weilte und auch mehrere Malariafülle überstanden hat, gerade mit Bezug auf sein subjektives Krankheitsgefühl selbst erklärte, daß er sich diesmal ganz anders krank fühle als sonst bei Malaria. Die zweifellosen Gelbfiebererkrankungen zeigten alle einen außerordentlich schwereil Verlauf. Unruhig, mutlos und ohne Schlaf, mit eigentümlich geröteten: Gesicht und feuchten, glänzenden Augen warfen sich die Kranken auf ihrem Lager umher, obendrein von zeitweise»: Erbrechen gequält. Außer großer Mattigkeit, völligem Appetitmangel, aber lebhaftem Durstgefühl traten regelmäßig im Beginne sehr heftige neuralgische Schmerzen in der Stirn- und Lendengegend auf, zu denen sich in einigen Fällen noch eine lebhafte Druckempfindlichkeit des Leibes von der Magengegend an abwärts gesellte. Bei zwei meiner Patienten konnte ich den von anderen Beobachtern erwähnten eigenartigen, weichlichen Geruch, den sie verbreiteten, und der mich an den Geruch nicht ganz frischen Blutes erinnert, wahrnehmen. Irgendwelche Organveründernngen sind in diesem Stadium nicht zu konstatieren. So dauert der Zustand zwei bis drei Tage lang an. Sehr schwere Fülle verlaufen schon innerhalb dieser Zeit tödlich; die leichteren gehen von diesem Stadium aus in Genesung über. In der Regel folgt aber auf das erste Stadium eine Remission; wenigstens lassen die Höhe der Temperatur und die Prostration des Kranken nach. Sehr ausgesprochen erlebte ich diese kritische Pause bei einen: meiner Patienten, der sich am dritten Krankheitstage bei völliger Fieberlosigkeit so wohl fühlte, daß er nicht im Bett zu halten war und energisch nach Cigarre und Bier verlangte. Drei Tage später starb er. Ungefähr vorn dritten Tage ab stellt sich dasjenige Symptom ein, nach dem die Krankheit ihren Rainen trägt, die allgemeine Gelbfärbung der Haut, die in sehr wechselnder Stärke in die Erscheinung treten kann. Zwei meiner Kranken starben an Gelbfieber, ehe überhaupt eine Gelbfärbung aufgetreten war; bei einem trat sie während der Agonie ein. Je länger sie besteht, umso intensiver Pflegt sie zu werden, und bei der unglücklichen Patientin, die am längsten zu leiden hatte, bis sie am achten Krankheitstage erlöst wurde, hatte sich schließlich eine fast braune Hautfarbe herausgebildet. Einer der wenigen Genesenen hat wochenlang seine Gelbfärbung behalten und ist, noch mit ihr behaftet, bei sonst gutem Befinden in die Heimat abgereist. Ein weiteres, auch etwa am dritten Krankheitstage, wenn nicht schon eher, deutlich werdendes Symptom ist das Mißverhältnis zwischen Höhe der Körpertemperatur und Anzahl der Pulsschläge, die schließlich trotz bestehenden Fiebers auf 50, selbst 40 in der Minute Herabgehen können. Der in seiner Menge stark reduzierte Urin enthielt in den meisten Fällen Eiweiß, in einigen daneben Gallenfarbstoff. In den folgenden Tagen — vorausgesetzt, daß der Kranke sie erlebt —, können sich zu den bisherigen Erscheinungen noch Blutungen einstellen aus Magen, Darm, Nase oder unter die Haut. Die erbrochenen Massen nehmen dann schwarze Farbe an, und in der gelben Haut treten punktförmige Blutflecken auf; auch unter der Bindehaut des Auges waren sie bei einem der Kranken zu sehen. Trotz zur Norm zurückkehrender oder nur leicht erhöhter Körpertemperatur wird der Zustand immer hoffnungsloser. Mehrere der Patienten waren bis in ihre letzten Stunden hinein bei vollem Bewußtsein, zwei sogar in auffälliger Euphorie, andere sind in tiefen: Sopor, wieder andere in heftigen Delirien gestorben. Dies in ganz groben Um-