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in Zukunft keine Bauerlaubnis mehr für Neger auf der Landzunge Auechos geben, und das Wiederaufbauen jeder baufälligen Negerhütte an der alten Stelle verbieten, außer wenn sich der Eigentümer verpflichtet, nach europäischer Vorschrift zu bauen, so würde wenigstens im Laufe der Jahre etwas ordentliches erreicht.
Anecho, den 3. März 1905.
In Anecho wird fleißig gearbeitet, die Aufschüttung des Dammes schreitet rüstig vorwärts. Glücklicherweise sind wir auch bisher von neuen Gelbfieberfällen verschont geblieben, sodaß wir daran denken können, das schwere Hindernis der Quarantäne in nächster Zeit wieder aufzuheben, was namentlich im Interesse des ungestörten Baues der Küstenbahn sehr erwünscht ist. In den nächsten Tagen schon wird sie bis zur Quarantainegrenze vorgedrungen sein. Nur die privaten Berichte aus Dahomey lauten trotz des offiziellen Dementis noch immer beängstigend für mich. Ich will sehen, vom französischen Arzte in Grandpopo wirklich zuverlässige Nachrichten zu erhalten.
Am 12. März 1905.
In letzter Zeit habe ich einige Nachbardörfer nach Gelbfieberverdächtigen Erkrankungen unter den Schwarzen abgesucht; aber erfolglos. Leider ist der sonstige Gesundheitszustand unter den Schwarzen schon seit wenigen Wochen kein guter. Sie selbst bringen die häufigen Erkrankungen mit der außergewöhnlichen Trockenheit in Zusammenhang, die wir seit Ende vorigen Jahres haben. Da die sonst im September und Oktober herrschende kleine Regenzeit an der Küste völlig ausgeblieben ist, so hat die Lagune einen äußerst niedrigen Wasserstand erreicht und bildet durch ihr Zurücktreten weite Moraststellen mit häßlichen Ausdünstungen.
Die Poliklinik wird, wie immer, viel von den Schwarzen aufgesucht. Leider müssen wir uns mit unseren baufälligen Baracken weiter behelfen, da die für einen einfachen Neubau erbetene kleine Summe abgelehnt worden ist.
Einen gerade jetzt in Behandlung stehenden Krankheitsfall will ich wegen seiner Eigenart näher schildern. Man brachte mir eine ungefähr 30 jährige Negerfrau mit folgendem Befunde: Seit sieben Jahren hatte sich in ihrem Munde eine Geschwulst gebildet, die immer größer und größer geworden war, bis sie jetzt nicht nur die ganze Mundhöhle ausfüllte, sondern noch faustgroß aus ihr herausgewachsen war. Nur ein enger Spalt des weit nach den: Ohr hin verzerrten Mundwinkels war frei geblieben. Durch ihn führte sich die Patientin mühsam flüssige Nahrung zu, die aber so ungenügend war, daß sie in einem trostlosen Schwächezustande hier ankam. Dabei nährte sie ein dreijähriges Kind! Die Untersuchung über den Ausgang der Geschwulst, über die Stelle, auf der sie aufsaß rc., war sehr erschwert, da der tastende Finger nirgends neben ihr Zugang finden konnte. Stach mehrmaligem, vorsichtigen Sondieren und Palpieren von außen konnte ich endlich mit einiger Sicherheit annehmen, daß es sich um eine vom rechten Unterkiefer oder seiner Knochenhaut ausgehende Neubildung handelte. Beide rechtzeitige Kieferhälften waren durch den jahrelangen Druck der andrängenden Geschwulst in starkem Bogen nach innen gedrängt worden, der Oberkiefer dabei nach oben, der Unterkiefer nach unten verlagert. Die entsetzliche Entstellung und der drohende Hungertod führten sie endlich zum Arzte. Die mikroskopische Untersuchung eines durch Probe- exzision entnommenen Stückes ergab die Diagnose eines Fibrosarkomes. Was tun? Die Frau ging unrettbar ihrem Ende entgegen. Der Krüftezustand war so schlecht,