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Land auf einer der Karawanenstraßen des Hinterlandes, die aber nicht viel Wahrscheinlichkeit für sich hat, weil wir wissen, daß das Gelbfieber die Schwarzen nur ausnahmsweise befällt.
Es besteht für uns die Pflicht, so rasch wie möglich umfassende und energische Maßregeln gegen die Weiterverbreitung des Gelbfiebers zu treffen. Andererseits glaube ich die Gemüter der Europäer nicht vorzeitig beunruhigen zu dürfen. Vielleicht könnte es doch nur ein sporadisches Erscheinen der Krankheit sein, das mit dieser kleinen Explosion erledigt ist. Beiden Pflichten hoffte ich dadurch am besten nachzukommen, daß ich möglichst unbemerkt über Nacht mit der Hängematte nach Lome reiste, um dort mit dem stellvertretenden Gouverneur H. und dem Kollegen Or. Kr. gemeinsam zu beraten und festzusetzen, was für Maßregeln zu ergreifen seien, sobald durch einen neuen Fall sich die Gefahr vergrößerte. Wir einigten uns bis in die kleinsten Einzelheiten für diese hoffentlich ausbleibende Eventualität.
Anecho, den 16. Februar 1905.
Unsere Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Wenige Tage nach meiner Rückkehr von Lome erkrankte Pater L., ein junger, in der Vollkraft der Jahre stehender Priester, der seit mehr als drei Jahren im Lande weilte. Auch er stand unmittelbar vor einem Heimatsurlaube. Er ahnte wohl selbst das Wesen seiner schweren Erkrankung und wollte durch beschleunigten Antritt der Seereise, zu der ihm ein gerade fälliger Dampfer Gelegenheit bot, Genesung suchen. Er hat sie nicht gefunden; schon in Lome verließ er das Schiff wieder und ist dort vorgestern gestorben.
Bereits gestern sind alle in Lome verabredeten Maßregeln in Kraft getreten. An erster Stelle steht eine strenge Landquarantaine für Anecho, dem Herde der Seuche in Togo, durch die jeder Verkehr mit dem übrigen Land unmöglich gemacht wird. Natürlich ist es von großer Bedeutung, Lome frei zu halten, damit wenigstens einer unserer beiden Küstenplätze dem Handel geöffnet bleibt, denn es steht mit Sicherheit zu erwarten, daß die fremden Mächte, sobald sie von dem Ausbruch des Gelbfiebers in Togo erfahren, jedes Schiff, das einen verseuchten Platz angelaufen hat, unter strenge Quarantäne nehmen werden.
In der Nacht des 14. gingen von Lome aus Dr. Kr., Stationsleiter M. mit einem Aufgebote von 20 schwarzen Polizeisoldaten und der Bautechniker H. nach Porte-Seguro, das etwa 14 Kilometer von Anecho entfernt liegt, ab. Ich selbst brach gestern früh 5 Uhx ebenfalls dorthin auf und traf gegen 8 Uhr im Hause des Häuptlings Mensah mit den Vorhergenannten zusammen. Der schmale Streifen Landes von der See bis zur Lagune wurde durch Posten für jeden Verkehr gesperrt, desgleichen die Lagune selbst, die sich hier zum Togosee erweitert. Ebenso wurde ein Ueberschreiten des in die Lagune einmündenden Haho von Anecho aus verboten. Alle die, welche aus zwingenden Gründen trotzdem diese Quarantainegrenze überschreiten müssen, haben vorher eine 5 tägige Landquarantaine zu absolvieren. Für Europäer wurde deshalb der Bau eines durch Drahtgazeschutz mückensicheren Quaran- tainehäuschens sofort in Angriff genommen. In ihm haben sie die angeordneten 5 Quarantainetage zuzubringen. Die Ueberwachung der Absperrung liegt in den Händen eines Europäers.
Gestern Nachmittag kehrte ich nach Anecho zurück. Heute hatte der Bezirksamtmann, Oberleutnant Hch., alle Europäer im Zollgebäude versammelt, wo ich ihnen die vorhandene Gefahr und gleichzeitig die Abwehrmaßregeln, die uns gegen sie zu Gebote stehen, darlegte. Da wir wissen, daß die Uebertragung des Gelbfiebers dnrch eine bestimmte Moskitoart, die Ltogom^iu tasoiatu erfolgt, so ist die wichtigste aller persönlichen Vorsichtsmaßregeln der Schutz gegen Moskitostiche.