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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
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sitzt und beim besten Willen kaum herausfallen kann, so sagte ich ihm zu, nach Erledigung meiner Vormittagsaufgabe mit ihm nach Pasa zu reiten. Vorher mußte ich sihrn aber noch einen anderen Wunsch erfüllen. Er habe gehört, sagte er, daß ich ein eisernes Pferd bei mir führe, und da er noch nie ein solches gesehen, möchte ich es ihm vorführen. Ich ließ das Fahrrad bringen, das er mit neugierigen Augen, aber scheinbar auch mit Geringschätzung musterte. Er bestand darauf, daß ich ihm einige Runden auf dem Stationshofe vorfuhr und erkundigte sich mit großer Ausführlichkeit über alle Einzelheiten dieses Vehikels. Es ging leidlich mit dem Ritt am Nachmittage. Nur beim Durchqueren des Flusses wollte mein Rappe durchaus die Gelegenheit zu einem erfrischenden Bade benutzen, und Hütte sich wahrscheinlich behaglich mit nur im Wasser gewälzt, wenn nicht Adam Geistesgegenwart genug gehabt hätte, mir rechtzeitig beizubringen. Der Einzug in Pasa war so festlich, glänzend und lärmend wie noch in keinem Ort zuvor. Es hat zwar kaum mehr als tausend Einwohner, aber sie alle kamen mir in fest­lichem Kriegsschmuck den halben Weg entgegen gelaufen. Stöcke, Speere, Pferde­schweife schwingend, tanzend, trommelnd, auf Hörnern blasend, pfeifend, glocken- schlagend, geleiteten sie mich auf ihren Marktplatz. Dort nahm ich sie, von meinen schwarzen Hilfskräften unterstützt, einen nach dem andern unter das Jmpfmesser. Den Rückweg konnte ich erst nach 6 Uhr im Dunkeln antreten. Er war weniger geräuschvoll, aber Adam ließ sichs nicht nehmen, mich abermals mit seinem Hof­staat zu begleiten. Zu beiden Seiten des Weges liefen neben uns her etwa ein Dutzend Schwarze mit brennenden Fackeln aus trockenen Grasbündeln. Sobald eine von ihnen heruntergebrannt war, wurde dem Fackelträger eine neue gereicht. Ihren eigentlichen Zweck zu leuchten erfüllten sie wegen des dichten Qualmes, den sie verbreiteten, weniger als den, die Moskitos fernzuhalten.

Am Kara, den 2. November 1904.

Mein Aufenthalt in Kirikiri wurde durch einen wenig erfreulichen Alllaß abgekürzt. Gestern mittag kam ein reitender Bote und brachte die Nachricht, daß der Stationsassistent B., der damit beschäftigt ist, eine von K. über den Kara geschlagene Hängebrücke auszubessern, an Schwarzwasserfieber schwer erkrankt sei und meiner Hilfe dringend bedürfe. Die Entfernung von Kirikiri beträgt 50 Kilo- meter, der Weg führt über Gebirge. Natürlich zögerte ich nicht, so schnell als möglich zu ihm zu eilen. Ich impfte noch rasch diejenigen Kälber ab, die gerade das Reifestadium der Lymphe erreicht hatten, ließ August und meine schwarzen Jmpfprinzen, noch einige hundert Neger, die schon versammelt waren und gern vor meiner Abreise noch geimpft sein wollten, abfertigen und brach gegen 4 Uhr- auf. Bei einbrechender Dunkelheit erreichte ich zu Pferde Sudu. Von dort fing die Kletterei zu Fuße an, im Stockfinstern, bei steinigten Wegen. 9 Uhr war ich über den Kamm hinweg und erreichte Baffilo. Dort beschloß ich bis zum Auf­gang des Mondes zu rasten, und dann in der Hängematte weiter zu reisen. In­zwischen wurden neue Träger gerufen, abgekocht und im Langstuhle geträumt. Um Mitternacht erschien der Mond, und ich vertraute mich in der Hängematte den Trägern an. Heute bei Tagesanbruch war ich am Kara. Zum Glück fand ich B. zwar schwer krank, aber außer Lebensgefahr vor, was bei Schwarzwasserfieber immer schon ein großer Trost ist. Er ist bereits 6 mal während seiner Dienstzeit von dieser heimtückischen Krankheit ergriffen worden. Ich weiß nicht, ob ich selbst nach dem ersten Anfalle nicht genug von Afrika hätte. Einige Tage will ich hier bleiben, bis der Patient soweit ist, daß ihm ein Transport zugemutet werden kann. Dann gehe ich mit ihm bis Baffilo zurück, wo ich mein unterbrochenes Programm wieder aufnehmen will; er selbst soll nach Sokode zurückkehren, um

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