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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
Entstehung
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Kranken in den schwer zugänglichen Gebirgsdörfern Boärns, noch dazu unter einem nicht allzuliebenswürdigen Eingeborenenstamme große Schwierigkeiten bietet, hatte ich folgenden Vorschlag gemacht: ich wollte kurz vor Antritt meines demnächst bevorstehenden Urlaubes in das verseuchte Gebiet reisen (die Entfernung beträgt etwa 7 Tagemürsche) und einen im Anfangsstadium der Schlafkrankheit befindlichen Patienten mit Einwilligung seiner Angehörigen in der Hängematte zur Küste transportieren. Von dort wollte ich ihn auf dem Dampfer im Schiffslazarett mit nach Deutschland nehmen, um ihn entweder im Hamburger Tropenkrankenhause oder im Kochschen Institute in Berlin weiter zu beobachten, beziehentlich beobachten zu lassen. Ich bin sicher, daß eine fortgesetzte genaue Beobachtung des ganzen Krankheits­verlaufes unter Benutzung aller in der Heimat zur Verfügung stehenden Hilfs­mittel, wiederholte Untersuchungen des Patienten und das zu erhoffende Interesse heimischer erster Autoritäten, vielleicht Kochs selber, für diese eingenartige Krankheit, die unter sehr erschwerten äußeren Verhältnissen und mit immerhin primitiven Mitteln hier zu gewinnenden Resultate wesentlich erweitern und ergänzen können. Der Patient wäre allerdings voraussichtlich in Deutschland gestorben, aber ebenso sicher Hütte ihn das gleiche Geschick hier ereilt. Eine Uebertragung der Schlaf­krankheit nach Deutschland ist dabei völlig undenkbar. Leider ist mein dahin gehender Antrag abschlägig beschieden worden.

Am 22. Januar 1904.

An Kaisers Geburtstag wird die Einweihungsfeier der Landungsbrücke in Lome stattfinden. Ich werde an ihr noch teilnehmen und dann auf Heimatsurlaub reisen. Leider wird es kein ungetrübtes Fest werden, denn der Mann, der einen 2ff'z jährigen ununterbrochenen, an Arbeit überreichen Tropendienst nur aus dem Grunde auf sich genommen hatte, um das Werk allen Schwierigkeiten zum Trotz ohne Unterbrechung seiner Vollendung entgegenzuführen, der Regierungsbaumeister Sch., wird den Tag der Weihe nicht mehr erleben; er ist vor wenigen Tagen auf einer kurzen Reise nach dem Misahöhebezirke einer Dysenterie erlegen. Seine letzten schriftlichen Abschiedsgrüße an die Europäer Togos trafen unlängst in Lome ein.

Kleinpopo, den 2. August 1904.

Am 28. Juli kam ich mit dem Adolph Woermann glücklich wieder vor Lome an. Dasselbe Schiff brachte außer mir noch den Baumeister M. und den Landrentmeister G. nach Togo. Mehrere Europäer begrüßten uns schon an Bord, und Graf Z. schickte mir durch den Polizeimeister eine Einladung, im Gouvernement Zu wohnen. Bis zum 29. abends war ich sein Gast und konnte mit ihm die mir in Berlin bereits angekündigte Jmpfreise ins Hinterland besprechen. Die Zeit bis Anfang Dezember, also 4 Monate, stehen mir für diese Reise zur Verfügung, vr. H. wird das Krankenhaus bis dahin weiter behalten und nach meiner Rückkehr zur Küste auf Urlaub gehen.

In Lome hat sich wenig verändert; das Aeußere sauber, sonnig und freundlich wie immer. Leider wurde mir die Freude des Wiedersehens durch die Nachricht vom Tode des braven Assessors T. schmerzlich getrübt. Am 8. Juli war er im Nachtigalkrankenhause gestorben. Nur ein Jahr war er in der Kolonie tätig gewesen, und hatte bei all seinem guten Willen und Pflichteifer nur wenig Freude beruflich und außerberuflich erlebt. Seine aufreibende Arbeit scheint nicht ohne