Druckschrift 
Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
Entstehung
Seite
107
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Kleinpopo, den 12. Dezember 1903.

Vorgestern Abend Rückkehr ins Krankenhaus. Während meiner Abwesenheit abermals ein neuer Herrscher in Sebe eingezogen, Assessor H., der mit Frau in­zwischen aus Deutschland eingetroffen war.

Kleinpopo, den 14. Januar 1904.

SehrTgeehrter Herr Doktor!

Für Ihre freundlichen Zeilen besten Dank. Sie kennen meinen Standpunkt in der Alkoholfrage und regen mich deshalb an, diese in ihrer Bedeutung für die Tropen für weitere Kreise zu erörtern, da die Literatur in diesem Punkte eine Lücke ausweise. Ganz unerörtert ist dieses Thema indessen auch für die Tropen nicht geblieben. Ich könnte Sie auf gelegentliche Aeußerungen vieler Afrikaforscher verweisen, wie Emin Pascha, Livingston, Götzen, Stanley, Peters u. a. Aus­führlicher hat ein deutscher Tropenarzt in holländischen Diensten, Major Dr. Fiebig, über den Einfluß des Alkohols auf den Europäer in den Tropen geschrieben. Ferner finden Sie das ThemaAlkohol und Akklimatisation in den Tropen" von Dr. H. Blocher behandelt, und in Volkmanns klinischen Vortrügen (1900 Nr. 297) die Akklimatisation der europäischen und insbesondere der germanischen Rasse in den Tropen und ihre hauptsächlichen Hindernisse". Indessen ist es wohl der Mühe wert, erneut diesen Feind aller kolonialen Entwicklung anzugreifen, zumal er längst noch nicht besiegt ist. Ich will meine Aufgabe etwas verall­gemeinern und schlechthin die Hauptpunkte derHygiene des Trinkens in den Tropen" überhaupt einer kurzen Erörterung unterziehen. Dabei will ich im ersten Teile das, was wir nicht trinken sollen, also die Alkoholfrage besprechen, während ich in der zweiten, positiven Hälfte einige Praktische wichtige Fingerzeige für die Wahl der Getränke und die Art und Weise des Trinkens in den Tropen geben will. Die Arbeit wird Ihnen in einigen Wochen von Deutschland aus zugehen. Ich muß sie vorher, wie alle beabsichtigten Publikationen, auch wenn sie rein fachwissenschaftlicher Natur sind, der Zensur des Auswärtigen Amtes unterwerfen. Indessen zweifle ich nicht, die Genehmigung zur Veröffentlichung zu erhalten. Wenn wir vielleicht auch aus der schlimmsten Saufperiode unserer Kolonien bereits heraus sind, was Europäer anbelangt so bleibt doch unendlich viel zu tun übrig, um der Erkenntnis von der Größe der Gefahr des Alkohols Bahn zu brechen. Wie mancher begabte Mensch, der nach den offiziellen Berichten ein bedauerliches Opfer des heimtückischen Klimas" war, ist selbstverschuldet an den Folgen des Alkohols in den afrikanischen Sand gesunken, wie mancher hat die vorzeitige Aufgabe seiner kolonialen Tätigkeit oder frühe Invalidität ihm zu ver­danken; wie manche Herzschwäche, Dysenterie, Nierenerkrankung, Tropenkoller, nervöse Reizbarkeit rc. sind nicht aufs Konto des Tropenklimas sondern des Alkohols zu setzen! Für mich steht es außer jedem Zweifel, daß die Alkoholwirkung in den Tropen auf den Organismus noch eine weit schwerere ist als daheim. Es ist dies auch garnicht wunderbar, da ja gerade die Kreislaufs-, die Verdanungs- organe und das Nervensystem in den Tropen unter erhöhten Anforderungen arbeiten müssen, und gerade sie vom Alkohol besonders in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich werde deshalb auch nicht versäumen, darauf hinzuweisen, warum der so­genanntemäßige" Genuß gerade in den Tropen nicht zu billigen ist, sondern volle Enthaltsamkeit empfohlen werden muß.

Damit die Abhandlung überhaupt gelesen wird, will ich sie möglichst kurz fassen. Ferner werde ich mich bemühen, eine größere Anzahl von Separatabdrücken in allen unseren Kolonien zur Verteilung gelangen zu lassen. Wenn es damit