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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
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zweijährige Dienstzeit beendet hatte, eingetroffen und muß sich natürlich erst ein­leben, ehe sie dasselbe leistet wie ihre Vorgängerin. Ich hoffe aber, daß es keine Not damit hat, denn sie ist keine Anfängerin in ihrem Berufe.

Abgesehen von der Anwesenheit des Habicht an der Togoküste ist auch sonst so manches seit meinem letzten Briefe in unserm LändchenPassiert". Seit einer Woche ist der Gouverneur wieder in Lome eingetroffen, nachdem er auf einer vier Monate langen Reise die ganze Kolonie bereist und allen wichtigeren Plätzen einen Besuch abgestattet hat, nur nicht unserm Kleinpopo, dem an Europüerzahl zweitgrößten, an Export ersten Handelsplätze seines Schutzgebietes. Wir kennen die Gründe dieser Unterlassung nicht; aber die Europäer, besonders die hiesigen Kaufleute sind mit Recht mißgestimmt darüber, denn mancherlei Wünsche hätten auch sie zu äußern gehabt. G. geht mit diesem Schiffe endlich auf Heimatsurlanb, den er eigentlich schon vor mehreren Monaten hätte haben müssen. Ich glaube, er tut ihm wirklich not, denn er machte mir, als ich ihn kürzlich zum letzten Male sah, einen recht angegriffenen Eindruck, wenn er sich auch wie immer gut zu beherrschen wußte. Auch eine tiefe Verstimmung konnte ich unschwer bei ihm herausfühlen, die nur zu erklärlich ist bei der übergroßen Arbeitslast, die auf ihm, noch dazu wegen recht unerquicklicher Dinge, hier gelastet hat. Obwohl wir es alle natürlich lebhaft wünschten, glaube ich nicht, daß er wieder nach Togo kommt, denn er gehört zu den Leuten, welche die erste Bürgerpflicht des Kolonialbeamten: Ruhe zu halten, nicht anerkennen mögen, wenn sie dabei gegen ihre Ueberzeugung handeln sollen, v. R., der nur vier Monate lang das Bezirksamt verwaltete, eine Zeit, von der noch ein großer Teil auf Abwesenheit in Atakpamebezirke entfiel, ist ganz plötzlich abberufen worden, und geht ebenfalls morgen nach Hause. Auch er hat ganz gröblich gegen das erste und oberste deutsche Kolonialgebot verstoßen. Namentlich hat er sich erkühnt, in dem Konflikte, der zwischen der in Atakpame tätigen Mission und dem dortigen Bezirksleiter ausgebrochen ist, energisch zu sein. Diese Angelegenheit, von deren näheren Einzelheiten ich dir ja schon schrieb, scheint allmählich immer größere Dimensionen annehmen zu wollen, und sie beschäftigt die Gemüter der Europäer in hohem Maße. Eine Entscheidung oder Schlichtung ist durch die Abberufung v. R.'s natürlich wieder hinausgeschoben, da nun erst das Eintreffen eines neuen Richters, der sich von neuem einzuarbeiten hat, ab­gewartet werden muß; denn Togo hat außer dem Gouverneur nach dem Weggange G.'s und v. R.'s keinen Juristen mehr im Lande. Anstelle v. R.'s übernimmt Oberleutnant Pr. aus Lome das Bezirksamt in Sebe. Da er aber seine anderthalb­jährige Dienstzeit bereits überschritten hat, wird seine Tätigkeit leider auch nur eine kurze sein können. Schade um den Bezirk, der unter dem dauernden Wechsel ja nie in eine glatte Entwicklung eintreten kann; planmäßige Arbeit ist dabei natürlich unmöglich, und sowohl die Eingeborenen wie die Firmen haben in gleicher Weise den Schaden davon.

Als dritter geht morgen der Postmeister H. nach dreijährigem, ununter­brochenen Tropendienste in die Heimat. Zu guterletzt hat er mir noch die wenig angenehme Ueberraschung gemacht, an einem Schwarzwasserfieber zu erkranken. Er ist der erste von den in Kleinpopo wohnenden Weißen, der seit meinem Hiersein daran erkrankt ist. An Malariaanfällen litt er freilich häufig, denn er gehörte zu denen, die das Chinin nicht regelmäßig, sondernnach Bedarf" nehmen, das heißt, wenn die Malaria bereits da ist. Glücklicherweise war der Anfall leicht, sodaß er sich schnell erholt hat, und ich ihm vom Antritt der Reise nicht abzuraten brauche. Sein Nachfolger, der neue Postmeister B., tat mir aufrichtig leid; denn als er in Lome landete, wehten dort gerade die Flaggen für einen verstorbenen Europäer halbmast, und als er tags darauf hier her nach seinem neuen Wirkungs­kreise kam, fand er seinen Amtsvorgänger mit Schwarzwasserfieber zu Bett liegend vor; gewiß kein verlockender Beginn für einen Tropenanfänger!-