anderen Mann nehmen und wird auch ihr Kind mitnehmen, und beide können nicht für mich arbeiten.
Ich: Willst du denn jetzt deine Frau wegschicken?
Dovi: Ja, ich will es tun, weil der Missionar sagt, daß es nötig ist, wenn ich Christ werden will. Ich will Suleika behalten und die andere zu ihren Verwandten schicken.
Ich: Tust du's gern?
Dovi: Nein.
Ich: Warum willst du denn gerade Suleika behalten?
Dovi: Weil sie nicht von hier stammt und keine Verwandten kennt, die für sie sorgen können.
Ich: Warum habt ihr Schwarzen denn überhaupt mehrere Frauen?
Dovi: Doktor, da sind viele Gründe.
Ich: Nenne mir einen wichtigen davon!
Dovi: Wenn die Frau ein Kind bekommen wird, oder ein Kind hat, das noch bei ihr trinkt,*) so ist es nicht gut, sagt der schwarze Mann, daß man die Frau braucht.
Ich: Was meinst du selbst denn, was besser sei, Protestantisch oder katholisch?
Dovi: Protestantisch.**)
Ich: Warum?
Dovi: Weil der deutsche Kaiser auch protestantisch ist.
Im weiteren Gespräche bat er mich schließlich trotz meines Ausweichens darum, ihm einen Rat zu geben. Ich riet ihm, seine Kinder ruhig taufen zu lassen und in die Schule zu schicken, damit sie von Jugend an als Christen aufwüchsen. Er selbst solle weiter die Kirche besuchen, und wenn er nach einem Jahre immer noch entschlossen sei, eine Frau wegzuschicken, solle er tun, was er selbst für richtig halte.
Kleinpopo, den 7. März 1903.
Sehr geehrter Herr Kollege!
Ihre Zeilen vom vorigen Monat habe ich kürzlich erhalten. Ich bin einigermaßen in Verlegenheit, Ihnen zu antworten, da ich selbst erst ^ Jahr im Lande weile. Doch so gut ich kann, will ich Ihnen gern die gewünschte Auskunft geben. Wenn Sie als Arzt in die deutschen Kolonien gehen wollen, so stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen, entweder als Schutztruppenarzt, das heißt also in militärischer, oder als Regierungsarzt in zivilärztlicher Stellung. Da Sie schon längere Jahre als praktischer Arzt tätig sind, würde es Ihnen wahrscheinlich nicht leicht werden, sich reaktivieren zu lassen, Uniform anzuziehen und sich an die äußeren Formen des Dienstbetriebes zu gewöhnen. Freilich haben die Schutztruppenärzte den großen Vorteil einer genau geregelten Laufbahn. Für Regierungsärzte ist nur eine ganz beschränkte Anzahl von Stellen in unseren Schutzgebieten offen, und von diesen wenigen erlangen wieder nur einzelne nach langjährigen Diensten eine etatsmäßige Anstellung, sodaß Sie im Falle einer Invalidität völlig in der Lust schweben und keinerlei Ansprüche auf Pension oder sonstige Entschädigung erheben können. Sie bekommen einen zunächst auf I Vs Jahr lautenden Kontrakt zur Unterschrift vorgelegt. Dieser enthält für Sie die Pflichten, die Sie übernehmen, für das Auswärtige Amt die Rechte, die es Ihnen gegenüber hat. Nach I Vz Jahren haben Sie Anspruch auf vier Monate Heimatsurlaub.
Sie tun am besten, Ihre Dienste der Kolonialabteilung des Auswärtigen
*) Die Negerfrau nährt ihr Kind 3 Jahre lang.
**) Wir haben in Kleinpopo keine protestantische Mission, aber die wesleyanische gilt unter den Eingeborenen wegen ihrer nahen Verwandtschaft mit dem Protestantismus als solche.