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Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika / von Ludwig Külz
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für unsere Kolonien zu erwecken, oder zu fördern, Vorurteile und falsche Urteile zu beseitigen, so ist der dadurch erzielte Nutzen vielleicht größer, als wenn ab und zu ein flüchtig gelesener Artikel in der Presse erscheint, Kolonialschwärmer gibt es genug daheim. Kolonialfeinde noch mehr, am dünnsten gesät sind die Kenner unserer Schutzgebiete. Schafft uns die letzteren!

Mit herzlichem Gruße an Dich und die Deinen

Dein Bruder L.

Kleinpopo, den 12. November 1902.

Meine liebe Frau!

Seit vorgestern leben wir hier in einem gesundheitlich idealen Zustande: das Krankenhaus steht leer von weißen Patienten, nachdem es schon während der vorausgegangenen Tage nur noch wenige Rekonvaleszenten beherbergte, da­runter Str., der von seinem Leberabszesse glücklich genesen ist. Wie lange wird die Leere freilich anhalten? Durch die kleine Regenzeit, die seit einigen Wochen eingesetzt hat, werden sich die Moskitos, welche wieder zahlreichere Brutstätten finden, vermehren, und bald genug werden durch sie wieder neue Fieber­erkrankungen kommen. Trotzdem kamen uns allen die erfrischenden Regengüsse erwünscht. Die ganze Natur ist neu belebt, die Sträucher treiben frisches Grün, die Palmen, die ihre bestäubten Wedel in der langen Trockenzeit müde zur Erde senkten, recken die Köpfe wieder der Sonne zu. In unserem Garten wächst alles noch einmal so üppig wie zuvor. Was würde man daheim drum geben, wenn ein solcher Tropengarten wie der unsere nach Deutschland ver­pflanzt werden könnte! Gerade der unsere zeigt jetzt ein buntes Gemisch heimat­licher und afrikanischer Gewächse. Auf der Rückseite blühen unter Kokospalmen die Rosen, die mein Vorgänger pflanzte; auf Beeten, die mit Agaven eingefaßt sind, entfalten Balsaminen, Lilien und andere heimatliche Blumen neben farben­prächtigen afrikanischen Geschwistern ihre Blüten. Auch der Gemüsegarten liefert gute Erträge: Salat, Kohlrabi, Radieschen, Gurken usw., und bringt so für uns und die Patienten wenigstens eine kleine Abwechslung in die Konserven, mit denen wir uns sonst behelfen müssen. Unser kleiner zoologischer Garten am Hause ist in letzter Zeit auch mehrfach bereichert worden. Erst kürzlich brachte Schwester I. von einem Urlaube, den sie in Lome verlebte, zwei niedliche zahme Antilopen für ihn mit, von denen nun vier frei in ihm herumlaufen und sich alle unter dem Schatten der indischen Mandelbäume sehr wohl zu fühlen scheinen und Gesunden wie Kranken des Hospitals manche Freude bereiten. Auch die Eingeborenen bringen alle möglichen Tiere angeschleppt, teils zum Verkauf, teils als Honorar für ärztliche Hilfe. Soweit es nicht nötig ist, sie zu töten, wie Krokodile und Giftschlangen, werden sie in einem Käfige dem Tiergarten einverleibt. Affen, Wildkatzen, Stachelschweine, Papageien und selbst Raubvögel haben sie schon angebracht. Jedes der Tiere wird gewissenhaft von den Schwestern mit einem besonderen Kosenamen belegt. Besonders drollig sind ein Paar junge, noch ganz kleine, zahme Ginsterkätzchen, die tags über frei im Hause umherlaufen. Eigentlich erinnern sie nur in ihrer Farbe an eine graue Katze, sonst im schmiegsamen, zierlichen Körperbau mehr an einen Marder. Ueberall huschen sie umher, verstecken sich an allen möglichen Plätzen, oft sogar in den Blumensträußen, die wir im Zimmer stehen haben und blicken neugierig mit ihren spitzen Köpfchen aus ihnen hervor. Verschiedene Schildkröten kriechen träge zwischen den lustig umherspringenden Antilopen im Tiergarten herum. Außer diesen kleineren Landschildkröten fingen die Schwarzen in letzter Zeit