Am 4. Oktober 1902.
Uebersicht über die Verwaltung Togos.
Unser Schutzgebiet, dessen endgiltige Grenzreguliernng gerade jetzt vorgenommen wird, ist etwas größer an Flächenausdehnung als das Königreich Bayern. Leider hat der an die Küste stoßende Teil unseres Ländchens nur eine Ausdehnung von etwa 50 irm. Die Zahl der schwarzen Bewohner wird verschieden hoch geschätzt; die niedrigste aber wahrscheinlich zutreffende Schätzung gibt sie auf eine Million an. Auch damit würde Togo noch für afrikanische Verhältnisse eine große Bevölkerungsdichte haben. Deutschsüdwestafrika hat vergleichsweise auf einer Flüche, welche die des Deutschen Reiches übertrifft, kaum 300000 Einwohner. Die in langsamer aber stetiger Zunahme begriffene europäische Bewohnerschaft Togos beträgt jetzt ungefähr 150 Köpfe, wovon zwei Drittel auf die beiden Küsten- plätze Lome und Kleinpopo entfallen, während der Rest sich auf das übrige Gebiet verteilt. Dem Berufe nach haben wir darunter über 50 Regierungsbeamte, etwa 40 im Dienste der Mission stehende Weiße und 60 Angehörige der Faktoreien oder Plantagen. Es kommt demnach auf zwei Europäer durchschnittlich ein Beamter.
An der Spitze der Kolonie steht der Gouverneur, dessen Stellvertreter und erster Beamter in Togo den stolzen Namen Kanzler führt. Der Gouverneur untersteht der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin, diese wieder dem Reichskanzler. Seit Ansang dieses Jahres ist das Gouvernement bereits verwaist. Warum dem Schutzgebiet ein so langes Interregnum beschieden ist, entzieht sich unserer Kenntnis.
Für die Zwecke der allgemeinen Verwaltung ist das ganze Land in 7 Bezirke eingeteilt, von denen die beiden an der Küste gelegenen, Lome und Kleinpopo, vorläufig die wichtigsten der Kolonie, den Namen eines Bezirksamtes tragen. Die übrigen 5 „Stationen" sind im Westen Misahöhe, Ketekratschi und Mangu, im Osten Atakpame und Sokode. An der Spitze dieser einzelnen Gebiete steht der Bezirksamtmann bezw. Stationsleiter, dem zur Bewältigung des inneren und äußeren Dienstes seiner Station noch einige europäische Unterbeamte zur Seite stehen. Meist hat ein Bezirk neben dem Hauptsitze der Regierung noch eine Nebenstation, die ebenfalls von einem dem Stationsleiter unterstellten Europäer verwaltet wird. Nicht uninteressant ist die Tatsache, daß unter den Bezirksleitern Togos neben zwei Juristen und zwei Offizieren sich auch ein Arzt, ein Philologe und ein ehemaliger Missionar befinden. Auffallend muß es sein, daß gerade die wichtigen Bezirksämter an der Küste in ihrer Besetzung einem dauernden Wechsel unterworfen sind, während die Stationen des Hinterlandes seit vielen Jahren unter Leitung eines und desselben Beamten stehen. Von weiteren Verwaltungszweigen der Kolonie ist die Zollverwaltung zu nennen. Die Zollämter der beiden Küstenplätze sind ihrer Bedeutung entsprechend mit europäischem Personal besetzt, während von den Zollposten der Grenze nur noch Topli, am Mono gelegen, einem Weißen untersteht. Einige weitere Grenzposten werden von farbigen Unterbeamten überwacht.
Als Zentrale für alle Abrechnungen der Einnahmen und Ausgaben des ganzen Schutzgebietes besteht die Gouvernementshauptkasse in Lome.
Postämter, von europäischen Beamten geleitet, sind in Lome und Kleinpopo eingerichtet. Beide Orte sind auch durch Telegraph und Telephon verbunden und haben dreimal wöchentlich Postverbindung über Land durch schwarze Boten. Nach dem benachbarten Dahomey und der Goldküste besteht gleichfalls sowohl Postverkehr über Land als telegraphische Verbindung, durch die Togo aus französische und englische Kabel angeschlossen ist. Eine Schutztruppe hat Togo bisher noch nicht nötig gehabt. Eine Polizeitruppe hat genügt. Sie besteht aus ungefähr 4—500 farbigen Polizeisoldaten, die auf die einzelnen Stationen des Landes verteilt sind und deren Leitern zur Verfügung stehen.