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Deutsches Kolonistenleben im Staate Santa Catharina in Süd-Brasilien / von Hermann Leyfer. Mit einem Vorwort von Albrecht Wilhelm Sellin
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V. Nebersichtliche Zusammenstellung

der

landwirihschaftlichrn Verrichtungen in den einzelnen

Monaten*).

Ueber die Witterungsverhältnisse der einzelnen Monate vergl. S. 33.

Januar.

Der Januar ist der erste Sommermonat, in welchem die Wärme den höchsten Grad erreicht. Durchschnittlich beträgt die Temperatur Morgens 17", Mittags 240 und Abends 18° U. In den Pflanzungen beginnt jetzt das Unkraut zu wuchern, weshalb der Landwirth jeden heiteren, trocknen Tag eifrig benutzen muß, um das Unkraut auszurotten, damit dasselbe in der Pflanzung nicht überhandnehme. Das Jäten an regnerischen Tagen ist ver­lorene Mühe, weil das ausgerissene Unkraut bei der feuchten Witterung schnell wieder anwächst Wer aber jetzt das Auskrauten versäumt, hat später doppelte Arbeit, wenn er nicht der Ernte verlustig gehen will. Oft ist die in diesem Monat versäumte Arbeit des Jätens überhaupt nicht mehr nachzuholen, und die Pflanzung verkommt dann in Unkraut.

Der im Dezember niedergelegte Wald ist bei heiteren Tagen zu brennen und dann zu räumen, weil die Waldschläge sonst bald wieder grün werden.

Für das Zuckerrohr beginnt mit Ende des Monats die erste und haupt­sächlichste Pflanzzeit.

Mais von der Juli- und Augustsaat wird geerntet.

Bohnen werden geerntet und Ende des Monats wieder gepflanzt.

Von Knollenfrüchten sind Bataten zu ernten.

Der Tabak, welcher noch auf dem Felde steht, ist baldigst einzuernten, und der, welcher zum Trocknen hängt, muß fleißig nachgesehen und nach Be­darf gelüftet und umgehängt werden.

An Obstarten werden Ananas, Feigen, Pitangas reif, daneben auch Bananen, die übrigens bei genügender Anpflanzung das ganze Jahr hindurch geerntet werden können.

Februar.

Der Februar ist warm und naß, mitunter schwül und von Treibhaus­temperatur. Zu keiner Zeit des Jahres ist der Gehalt an Feuchtigkeit in der Atmosphäre reichlicher, als in diesem Monat. Durchschnittlich steigt die Wärme Mittags auf 24 Grad R. im Schatten. In diesem Monat muß der Landwirth vor Allem darauf bedacht sein, zwei seiner schlimmsten Feinde, das Unkraut und die Ameisen, in den Pflanzungen nicht aufkommen zu lassen. Er darf weder Zeit noch Mühe scheuen, um dieselben zu vertilgen: denn diese Arbeit lohnt sich reichlich und ist ebenso wichtig, wie das Säen und Pflanzen, weil im Unterlassungsfälle möglicherweise die ganze Ernte ver­loren geht.

*) Dieser Uebersicht sind die Zusammenstellungen zu Grunde gelegt, wie sie sich in der leider unvollständig gebliebenen Schrift des früheren deutschen Konsuls in Join- ville, Herrn Dörffel,Der südbrasilianische tlandwirth" finden.