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Deutsch-Ostafrika im Weltkriege : wie wir lebten und kämpften / von Heinrich Schnee
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Die Beschaffung von Nahrungsmitteln und Ersatz für Einfuhrartikel. 141

Kapitel 10.

Die Beschaffung von Nahrungsmitteln und Ersatz für Einfuhrartikel.

wir mit Kriegsausbruch von der Außenwelt abgeschnitten e^^waren, entstand die Frage: wird es möglich sein, uns ohne Ein­fuhr von außen lediglich aus dem Schutzgebiet zu erhalten? Dies galt sowohl für Nahrungsmittel, von denen ein großer Teil im Frieden eingeführt war, wie für die bisher von der heimischen Industrie her­gestellten und in die Kolonie eingeführten Gebrauchsartikel aller Art. Die Erledigung dieser Frage war von ausschlaggebender Bedeutung dafür, ob wir Deutsch-Ostasrika auf längere Zeit halten konnten.

Während die Etappenleitung sofort zum Ankauf von Nahrungs­mitteln für die Truppenverpflegung schritt, forderte ich von sämt­lichen örtlichen Verwaltungsbehörden in der Kolonie Berichte ein über die in den einzelnen Bezirken vorhandenen und erlangbaren Nahrungsmittel und über die zur Vermehrung des^Anbaues etwa zu treffenden Maßnahmen. Die Berichte ergaben, abgesehen vom Süden, ein günstiges Resultat, so daß wir in bezug^aus die Ernäh­rung der Truppe wie der Zivilbevölkerung bis auf einige für die Europäer erforderlichen Nahrungsmittel unbesorgt sein konnten, so­lange wir die Kolonie ganz oder zum größten Teil halten konnten. Die Maßnahmen zur Erzeugung ausreichender Quantitäten von Produkten letzterer Art wurden eingeleitet.

Im Süden drohte infolge zu geringer Negenfälle während der Negenzeit 1913/14 Hungersnot, besonders im Lindibezirk. Ich hatte deshalb kurz vor Ausbruch des Krieges eine Hilfsaktion eingeleitet. Ich ließ in den besser gestellten Bezirken in der Mitte der Kolonie Lebensmittel aufkaufen, um sie mit Dampfer oder Dhau nach Lindi schaffen zu lassen. Der Kriegsausbruch machte die volle Durchfüh­rung dieser Maßnahme unmöglich, da die Engländer von Anfang an jede Schiffahrt an der Küste verhinderten und der Transport auf dem Landwege nicht möglich war. Der Landweg führte überwiegend durch Verpflegungsarme Gebiete, in denen die Träger aus dem drei Wochen dauernden Marsch von der Zentralbahn bis Lindi nicht aus dem Lande leben konnten. Da der Träger täglich 1 an Nahrung braucht und nicht mehr als 30 schleppen kann, so hätte er mit