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Deutsch-Ostafrika im Weltkriege : wie wir lebten und kämpften / von Heinrich Schnee
Entstehung
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Vorwort.

Während des Krieges ist verhältnismäßig wenig aus Deutsch- Ostafrika in der Heimat bekannt geworden. In der ersten Hälfte waren wir lediglich in der Lage, kurze Nachrichten nach Hause zu senden, die zudem nur teilweise angekommen sind. In der zweiten Hälfte war jede Möglichkeit für uns, Mitteilungen nach Deutschland gelangen zu lassen, ausgeschlossen; es kamen über die Ereignisse in unserem Schutzgebiet nur noch Nachrichten aus feindlicher Quelle in die Heimat, die naturgemäß einseitig gefärbt und unvollständig waren.

Und doch halte ich es für notwendig für das deutsche Volk, zu wissen, was seine Landsgenossen draußen in der Tropenkolonie ge­leistet haben, was von Weißen und Schwarzen an Heldentaten vollbracht ist, was an hingebendster Arbeit geleistet wurde, um ohne Einfuhr alles zu unserer Erhaltung Nötige aus dem Lande selbst zu erzeugen. Für geboten halte ich auch eine Darstellung dieser Vor­gänge als Beitrag zur deutschen Geschichte.

Daß ein großes Interesse dafür besteht, ist vielfach zutage getreten, nicht zuletzt in dem glänzenden Empfang, der uns bei unserer Rück­kehr nach Deutschland Ansang März 1919 zuteil geworden ist. An mich selbst sind viele Aufforderungen und Anfragen herangetreten und werden noch beständig an mich gerichtet. Noch liegt das Material, das eigene wie das aus fremden Quellen, entfernt nicht vollständig vor.- Insbesondere sind viele Abteilungs- und Kompagniesührer, viele Bezirksamtmänner noch in englischer Kriegsgefangenschaft. Wichtige Berichte fehlen. Doch halte ich es für meine Pflicht als Gouverneur, dem alles unterstellt war, eine umfassende Darstellung der Ereignisse zu geben, während das Interesse in Deutschland noch wach ist.

In diesem Buch habe ich versucht, zu schildern, wie wir während des Weltkrieges in Deutsch-Ostafrika lebten und kämpften. Ich habe mich bemüht, ein Bild davon zu geben, wie unsere Kolonie bis zum Kriegsausbruch in friedlicher kultureller und wirtschaftlicher Ent­wicklung aufblühte, wie durch die Engländer unter Nichtachtung der Kongoakte die Brandfackel des Krieges auch nach Deutsch-Ostafrika hineingeschleudert wurde, wie wir dann ein kleines Häuflein von wenigen tausend Deutschen unter einer schwarzen Millionenbevöl-