Teil eines Werkes 
Bd. 2, [H. 4-6] (1907) Der Hottentottenkrieg
Entstehung
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Schlußwort.

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Schlußwort.

Als an jenem Januarmorgen des Jahres 1904 die erste Schreckensnachricht von der grausamen Hinmordung zahlreicher Deutscher durch die Hereros nach der Heimat drang, bestand hier wohl allgemein die Hoffnung, es könne noch gelingen, den drohenden Aufstand im Keime zu ersticken. Es kam anders. Die anfangs mehr örtliche Erregung ergriff gleich einer Flutwelle die Bevölkerung des gesamten Schutzgebietes und jene blutigen Ereignisse bildeten den Anfang eines Kolonial­krieges, wie ihn das junge Deutsche Reich in einer solchen Ausdehnung und Bedeutung noch nicht erlebt hatte. Es galt, das Schutzgebiet dem Reiche neu zu erobern im Kampfe mit Gegnern, die dem Kultur bringenden deutschen Einwanderer Todfeindschaft geschworen hatten und die fest entschlossen waren, für ihre Unabhängigkeit und Freiheit alles hinzuopfern. Erst in diesem gewaltigen Ringen kamen ihre hohen kriegerischen Eigenschaften zur vollen Entfaltung; sie zeigten sich als geborene Krieger und fanden einen mächtigen Bundesgenossen in der Eigenart ihres Landes, der sie ihre Kampfesweise vortrefflich anzupassen verstanden.

War schon der Herero, jener Meister des Buschkrieges, durch seine angeborene Wildheit, seine bedeutende Körperkraft, Ausdauer und Bedürfnislosigkeit ein nicht zu verachtender Gegner, dessen Kampfeslust sich bei der Verteidigung seiner Viehherden bis zur wilden Entschlossenheit steigerte, so wurde er an kriegerischem Wert doch weit über- troffen durch seinen Nachbar, den Hottentotten. Auf das innigste verwachsen mit der Natur seines Landes und von Jugend auf gewöhnt, das scheue Wild zu jagen, war er ein geborener Schütze, der das Gelände in meisterhafter Weise der Wirkung seiner Waffe dienstbar zu machen verstand. Durch sein ungebundenes Leben in der freien Natur mit großer Schärfe aller Sinne begabt, von unübertrefflicher Schnelligkeit und Beweglichkeit zu Pferde wie zu Fuß, ausdauernd und bedürfnislos, sah er in dem Kriege sein Lebenselement. Solange er seine Werften zu schützen hatte, focht er noch in geschlossenen Stämmen und scheute nicht den offenen Kampf im freien Felde. Allein von dem Augenblick ab, wo er die Seinen und sein Hab und Gut jenseits der Grenze in Sicherheit wußte, verlegte er sich auf die Führung des Kleinkrieges. Überall erspähte er Gelegenheiten zu Hinterhalten, Überfällen und Räubereien. Da er den Begriff der Wasfenehre nicht kannte, empfand er keinerlei Scham, zurückzuweichen. Er hatte nach seiner Ansicht gesiegt, wenn es ihm