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Der Hottentottenkrieg.
1(2. Die Unternehmungen gegen die Bsndehwarts bis zur Vertreibung
Morengas.
Die Bondel- zwarts Ende 1905.
Die Südtruppen werden weiter verstärkt. Vorbereitung der geplanten Operation gegen die Bondels.
Als Major v. Estorsf bei seinem Eintreffen in Warmbad am 28. Dezember 1905 das Kommando über die Truppen im Südbezirke übernahm, standen Morenga und Johannes Christian nach wie vor am Oranje oberhalb Hartebeestmnnd. Morris, bei dem sich auch Reste der Cornelius-Bande befanden, hielt sich in der Gegend zwischen Haibmund und Violsdrift auf.*) Während dieser hauptsächlich die Zufuhren von Ramansdrift nach Warmbad beunruhigte, unternahmen die Orlog-Leute Morengas wiederholt weitgehende Raubzüge. So waren ihnen am 4. Dezember bei Norechab und am 7. bei Kalkfontein zahlreiche Pferde und viel Vieh in die Hände gefallen. Sie wußten sich jeder Verfolgung durch rasche Flucht in die Schlupfwinkel des Oranje- berglandes zu entziehen, wo sie im Notfalle stets sichere Zuflucht fanden und wo ihnen die Nähe der englischen Grenze die Möglichkeit bot, sich gegen ihren Raub alle ihre Bedürfnisse an Nahrungsmitteln und Munition einzutauschen.
Die blutigen Erfahrungen von Hartebeestmnnd ließen es geboten erscheinen, den Angriff auf den in so günstiger Lage befindlichen Feind erst nach Eintreffen aller im Anmarsch befindlichen Verstärkungen zu beginnen. In diesem unendlich schwierigen Berglande, wo alle Vorteile auf feiten des Verteidigers waren, konnte aus eine gegenseitige Unterstützung getrennter Kolonnen nicht gerechnet werden, jede mußte für sich stark genug sein, den Kampf mit den Hottentotten allein aufzunehmen. Damit die deutschen Truppen unter allen Umständen ihren Aufgaben gewachsen waren, überwies daher das Kommando dem Major v. Estorsf zu den schon im Südbezirke stehenden zehn Kompagnien und zwei Batterien zu Beginn des Jahres 1906 noch eine halbe Batterie (7.) und Anfang Februar noch zwei Kompagnien (2. 2. und 11. 1. Feld- regiments).
Bis diese Truppen sämtlich an dem Orte ihrer beabsichtigten Verwendung eingetroffen waren, mußte geraume Zeit vergehen, die aber auch in anderer Beziehung dringend erforderlich war: durch eingehende Erkundungen mußte das Angriffsgelände erst erforscht und die Grundlage für die Anordnungen der Führung geschaffen werden. Es durfte nicht wieder vorkommen, daß eine Abteilung bei der Entscheidung ausfiel, weil sie keinen Weg durch die Berge finden konnte. Außerdem mußte die Verpflegung für die vermehrte Truppenzahl so sichergestellt werden, daß die Operationen durch Verpflegungsrücksichten auf keinen Fall gestört werden konnten. Da gerade um diese Zeit der Nachschub über Lüderitzbucht—-Keetmannshoop fast vollkommen stockte und die Zufuhr über die erst vor kurzem wieder geöffnete Grenze kaum den laufenden Bedarf deckte, machte die Bereitstellung der unentbehrlichen Ber- pflegungsreserve große Schwierigkeiten.
*) Skizze 9.