Teil eines Werkes 
Bd. 2, [H. 4-6] (1907) Der Hottentottenkrieg
Entstehung
Seite
134
Einzelbild herunterladen
 

134

Der Hottentottenkrieg.

Morenga nach der Niederlage bei Narudas. März/April 1905.

Inzwischen war es Cornelius, dessen Beweglichkeit durch die Entsendung seiner Werften in die Kapkolonie erheblich zugenommen hatte, nach mehreren glücklichen Überfällen auf deutsche Posten und Transporte, mit seinen Orlogleuten gelungen, westlich an Kalkfontein vorbei in die Großen Karrasberge zu entkommen, wo er sich Anfang September mit Morenga vereinigte. Nach wenigen Wochen sollte er sich jedoch von diesem wieder trennen, um seiner alten Heimat, dem Bethanierlande, von neuem zuzustreben.

7. Die Kämpfe gegen Morenga bis ;uin September 1903.

Wohin Morenga mit seinen Banden nach der Niederlage in den Karrasbergen Mitte März entkommen war, darüber herrschte bei den Deutschen zunächst völlige Ungewißheit. Anfänglich glaubte man, daß sie, zersprengt wie sie durch den Ausgang des Kampfes bei Narudas waren, nach allen Richtungen sich zerstreut hätten.' Allein schon die Überfälle auf die Kolonne Kamptz am 18. und 21. März hatten diese An­nahme als irrig erwiesen. Wie sich später durch Gefangenenaussagen herausstellte, hatte der Tag von Narudas, diese erste unbestreitbare Niederlage des Morenga, dessen Ansehen empfindlich geschadet. Es herrschte Uneinigkeit unter den Führern; Morenga schob dem Morris die Schuld an der Niederlage zu, weil dieser die Stellung bei Garup seiner Ansicht nach viel zu früh aufgegeben hätte.*) Die Folge dieser Streitigkeiten war, daß der ältere Morris der jüngere war, wie erst nachträglich bekannt wurde, im Gefecht bei Aob gefallen mit seinen Leuten sich von Morenga wieder trennte und nach den Oranjebergen zog. Morengas Stellung, die für den Herero unter Hottentotten immer schwierig gewesen war, hatte durch alle diese Vorgänge einen schweren Stoß erlitten, zumal er durch die Verwundung, die er bei Garis davongetragen hatte, zunächst zur Untätigkeit verurteilt war.

Die von Kapstadt kommenden Meldungen von einer Flucht Morengas aus englisches Gebiet erwiesen sich als falsch. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er sich mit den bei ihm verbliebenen Anhängern in das schluchtenreiche, zahlreiche schwer auffindbare Verstecke bietende Gelände der nordöstlichen Ausläufer der Karrasberge**) geflüchtet. Auf jeden Fall hatten die deutschen Abteilungen zu dieser Zeit jede zu­verlässige Spur seines Verbleibes verloren, so daß sich ihnen kein greifbares An­griffsziel bot. Lange sollte die Ungewißheit jedoch nicht währen.

Schon in den ersten Tagen des April traf in Kcetmannshoop durch Leutnant v. Westernhagen die Meldung ein, daß drei Stunden nördlich Narudas eine Bande von 150 bis 200 Hottentotten den südlichen Rand der Kraikluft besetzt halte. Der mit dem Befehl im Süden betraute Major v. Kamptz brach infolgedessen am 7. April mit der halben 2. Batterie von Kcetmannshoop nach Wasserfall auf, um mit den rings nm die Großen Karrasberge verteilten Abteilungen***) nochmals konzentrisch

*) Viertes Heft Seite 79. **) Skizze 5. ***) Viertes Heft Seite 87.