Teil eines Werkes 
Bd. 2, [H. 4-6] (1907) Der Hottentottenkrieg
Entstehung
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2. Die ersten Kämpfe mit Morenga. Die Erhebung der Witbois.

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Grunde ihres Herzens gleich verhaßt. Ihnen sagte ein ungebundenes Kriegs­und Räuberleben weit mehr zu als friedlich geregelte Arbeit, für deren Segnungen ihnen jegliches Verständnis fehlte. Hieraus erklärt sich auch zum Teil die lange Dauer und die große Zähigkeit ihres Widerstandes. Durch den Frieden, mochte er noch so günstig ausfallen, konnten sie nach ihrer Auffassung nur verlieren.

Im übrigen erklärte z. B. Samuel Jsaak, einer der verständigsten Vertreter des Witboistammcs, wörtlich:Ich habe keinen Grund zum Aufstand gehabt. Der Kapitän befahl ihn, also wurde er gemacht. Seine Gründe dafür hat uns Hendrik nicht gesagt."

Wie dem allen auch sein mag, jedenfalls haben die späteren Ereignisse be­wiesen, daß auch im Bezirk Gibeon während des Hererokrieges Zündstoff genug an­gesammelt war, der jederzeit den Ausbruch des offenen Aufstandes befürchten lassen mußte.

2. Die ersten Aänipfe mit Morenga.*) Die Erhebung der witbois.

Leutnant v. Stempel**) war mit seiner 32 Mann starken Abteilung Anfang August an der Ostgrenze des Schutzgebiets eingetroffen und hatte in Samahaling Aufstellung genommen, um Morenga zu beobachten und ihm den Verkehr mit dem englischen Gebiet unmöglich zu machen. Morenga, der damals auf 50 bis 60 Ge­wehre geschützt wurde, hatte sich am Schambockberge verschanzt. Er entwaffnete am 14. August die auf Holpan und Witpan sitzenden Buren und hatte durch mehrere erfolgreiche Raubzüge seine Bande mit Lebensmitteln, Waffen und Pferden aufs beste versehen. Bon allen Seiten, auch aus dem englischen Gebiet, erhielt er weiteren Zulauf. Die deutsche Abteilung dagegen befand sich, 200 üm von der nächsten Unter­stützung entfernt, von Anfang an in einer gefahrvollen Lage, weil es Morenga jeder­zeit freistand, sie mit Überlegenheit anzugreifen oder wenigstens die Patrouillen abzufangen, die sie zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Erfüllung ihrer Aufgabe abschicken mußte.

Dieses Schicksal ereilte am 29. August eine nach Kouchanas entsandte Patrouille, Leutnant die sich dicht bei der Farm des Buren Freyer Plötzlich von den Leuten des Morenga um- v- Stempel stellt sah. Auf die Meldung einiger entkommener Reiter ging am folgenden Tage Leutnant v. Stempel selbst mit 24 Reitern auf Kouchanas vor, um die fehlenden 1994 . Leute zu befreien.***) Er stieß daselbst auf die Bande Morengas. In dem sich entspinnenden Kampfe fiel als erstes Opfer des Hottcutotteukrieges, mitten durch das

*> Skizze 2. **) Seite 6.

***) Tatsächlich war der Kriegsfreiwillige Devenisch gefallen; der angeblich gefangene Reiter Duive hat sich später wieder bei der Truppe eingefunden.