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Bd. 8 (1902) Beiträge zur physischen Anthropologie der Nord-Nyassaländer : anthropologische Ergebnisse der Nyassa- und Kingagebirgs-Expedition der Hermann und Elise geb. Heckmann Wentzel-Stiftung / mit Unterstützung der Stiftung hrsg. von Friedrich Fülleborn
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Ihre Sprache soll sehr eigenartig sein.

Man schätzt die Makua besonders als vorzügliche Jäger.

Endlich wären noch die \\ amuera zu erwähnen. Am Ruvunia selbst traf ich dieselben nicht an; ihre südwest­lichste Niederlassung fand ich am Senqua-Berge beim Jumben Natshendo. Der Hauptsitz der Wamuera, die schon seit Helen Generationen im deutschen Gebiete ansässig sein sollen, ist gegenwärtig nördlich von Lukuledi auf dem Muera-Plateau, doch sollen sie früher nach Lieder ( 1 . c. S. 127), bevor sie durch die Wangoni verdrängt wurden, noch viel weiter westlich gelegene Gebiete bewohnt haben.

Allgemeine Bemerkungen deskriptiven Charakters.

In den folgenden Zeilen sollen nur einige wenige Be­merkungen deskriptiven Charakters den Tabellen und Typen hinzugefügt werden, ohne jedoch im geringsten den An­spruch darauf zu erheben, das reichhaltige Material er­schöpfend zu behandeln.

Ich will bei dieser Gelegenheit auch auf die Angaben Johnstons über die Eingeborenen des englischen Xyassa- webietes eingehen, die zum Teil denen der deutschen Kolonie, soweit dieselbe hier in Betracht kommt, ver­wandt sind.

Was die Hautfarbe anbelangt, so variiert dieselbe in weiten Grenzen Bei einer Anzahl Individuen (Wahehe und Wakissi) ist dieselbe an verschiedenen Körperstellen bestimmt, und zwar, wie bereits oben (Seite 24) erwähnt, mittelst der Topinardschen Farbenskala.*) Danach wäre die Körperfarbe im allgemeinen etwa No. 3 dieser Skala ent­sprechend, während in der Regel die Nase und die Gegend unter den Augen etwas heller gefärbt ist als der übrige Körper; die Unterlippe hat oft einen rötlichen Schimmer.

Die Handflächen und ähnlich die Fusssohlen sind wie bei allen Negern bedeutend heller gefärbt und entsprechen etwa einer Farbe, die zwischen 5 und 10 resp. 5 und 6 der Topinardschen Tabelle liegt, doch oft so, dass No. 6 in der Farbenmischung bedeutend vorherrscht (bezeichnet als665 in den Anmerkungen zu den Messungstabellen).

Die Farbe einer beträchtlichen Anzahl von Wanya- mwanga. Wassako und Wanyakyussa wurde nach der Farben­tafel von Ranke (Zeitschr. f. Ethnol. Bd. XXX. Tb. I) bestimmt, und zwar in diesen Fällen nur am Oberarm (in den Bemerkungen zu den Messungstabellen sind diese Resultate nicht im einzelnen vermerkt); um die rote Farbe, mit der sich die Leute oft beschmieren, und den Schmutz zu entfernen (s. Johnston 1 . c. Seite 394), wurde der Oberarm vorher mit Wasser und Seife gereinigt. Die Farbe war im allgemeinen am Oberarm etwas dunkler als No. 1 der Rankeschen Skala, zuweilen etwas rötlicher.

Es kamen jedoch sowohl bei den zuletzt genannten Völkerschaften wie auch bei den andern von mir unter­suchten Stämmen mehrfach bedeutend hellere Individuen vor, die etwa No. 5 der Topinardschen Skala entsprachen.

* Die in Betracht kommenden Farben dieser und der Rankeschen

Farbenskala sind am Ende dieses Buches reproduzier;.

ja sogar eine Färbung fast wie No. 6 fand ich in einem Falle bei einem Mrambia-W eibe.*)

Einen echten Albino sah ich während meines dreijährigen Aufenthaltes in der Kolonie und trotz meiner vielen Streifzüge nur ein einziges Mal (es war ein Makua). Nach Johnston sind in Britisch Zentral-Afrika echte Albinos nicht selten, wenn auch nicht so häufig wie an der afri­kanischen Westküste (1. c. Seite 393 und 394). Merensky ( 1 . c. Seite 102) erwähnt, dass er im Konde-Land keinem einzigen Albino, wohl aber einigen »scheckigen Individuen begegnet sei.

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Ich selbst sah »scheckige« Neger niemals, mit Ausnahme von mehreren Fällen fleckweisen Pigmentmangels an den Händen und an den Lippen,**) und einer scheckigen Färbung der Glans Penis und des Präputiums.

Wie Johnston bemerkt, ist die Glans penis der Neger »fleischfarben«, dunkelt aber bei Beschnittenen, soweit sie nicht vom Präputium bedeckt ist. Es kommt jedoch auch eine »scheckige« Färbung der Glans und des inneren Präpu­tium-Blattes vor. Besonders interessant war mir in dieser Beziehung ein Fall (dessen Kenntnis ich Herrn Dr. Kopsch verdanke, welcher von mir aus Afrika mitgebrachtes Material verarbeitete), wo Glans und Innenseite des Präputiums eines Mannes, der eine ausgesprochene Phimose hatte (die betreffenden Teile also niemals dem Licht ausgesetzt waren), mehrere grosse dunkle Flecken aufwiesen, die sich scharf gegen die ungefärbte Umgebung abhoben.

Neugeborene Negerkinder sind bekanntlich sehr hell

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gefärbt; ich benutzte die sich in diesen Gegenden selten bietende Gelegenheit, ein neugeborenes Neger kl ::d zu sehen***), dazu, seine Farbe festzustellen; die hierauf bezüglichen Notizen lauten: »Die Hautfarbe des neugebo- renen Knaben war eine fast weisse mit einem Stich ins gelblich-braune. Die Wangen, Handflächen und Fusssohlen waren durchaus »rosig«. Die Stirn war auffallend dunkler als die übrige Haut und ebenso Penis und Scrotum. Das Kopfhaar schwarz und weich.« Und 8 Tage später: »Haut deutlich gedunkelt gegen die Inspektion vor 8 Tagen; im allgemeinen 510 (Topinard); das Kinn hat noch einen deutlichen rötlichen Schimmer, die Wangen nicht; Stirn etwas heller als 3, aber in derselben Nuance; Penis und Scrotum 3; Brustwarze 3 mit Stich nach 5; Fusssohlen und Handteller rosig weiss; auch die Rückseite des Fusses und der Finger heller als die übrige Haut; das Kopfhaar

*) Xach Johnston (1. c. S. 393) haben die Keger des britisch-central- afrikanischen Gebietes eine Hautfarbe wie Topinard Xo. 3, oder wie Ko. 4 »except tfaat it has a little rnore of the raw sienna colour than is giver. in Topinard s example.« Auch das gelegentliche Vorkommen von »hell gelblich- braun« gefärbten Individuen mit ebensolcher Iris erwähn; er als »positiven Xanthismus«; auch ich habe derartiges (helle Haut und gleichzeitig grau­gelbliche Iris und hell gelblich-braunes Haar gesehen.

**) *^ er Johnstonschen W erke (h c. 44) enthaltenen Zusammen­stellung von Xegerkrankheiten, die Dr. Kerr Cross verfasst hat, wird hierüber folgendes bemerkt: Leucoderma is an extremely interesting form of disease

that is found at the north (vom Xyassa-See . It consists of the hands being white, or covered with great patches of white. The lips may be white also, so too may the feet, and thexe may be white patches on the breast. The natives say it is dne to their eatir.g a certain fand of fish. They say many people can eat the fish with impumty, bat that if others eat. they are seized with this disease «

** 1 Mutter und Kind pflegen in den ersten Tagen nach der Geburt in der Hütte zu bleiben, zu welcher Männern der Zutritt versagt ist.

Die Mutter des Kindes war eine Manvema. der Vater angeblich ein Makonde.

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