Fragezeichen versehen, da mir die Fersenbreite des Abdruckes je nach dem Auftreten auf das Papier erheblichen Schwankungen unterworfen zu sein scheint.
Diese Ungenauigkeit gilt in ganz besonderem Mafse auch für das, den Grad der »Fusshöhlung« angebende Mafs, welches daher ebenfalls mit einem Fragezeichen in den Tabellen versehen ist. :i: ) Die Frage, ob Plattfuss vorhanden ist oder nicht, entscheidet dieses Mafs nicht, da ja, worauf Flerr Professor Hans Virchow mich aufmerksam machte, auch bei dem sogenannten »weichen Fuss«**) eine dem Plattfuss-Abdruck ähnliche Figur entstehen muss. Diese Zahlen gestatten jedoch immerhin den Schluss zu ziehen, in einem wie starken Prozentsatz von Fällen ein Plattfuss oder ein »weicher Fuss« mit Sicherheit auszuschliessen sind.
6iniges über die in den Tabellen und den Tvjpentafeln angeführten Voll<sstämme.
Die Bewohner der deutschen Konde-Niederunef an der Nordwest-Spitze des Nyassa und die nördlich davon in dem Bergland*** *•**) ) zwischen dem Livingston-Gebirge im Osten, den Bergen von Untali und Malila im Westen und dem Rungwe-Vulkan im Norden wohnenden Stämme zerfallen nach mir von Herrn Missionar Schuhmann übermittelten Erkundungen in folgende Gruppen:
A. Wabundugulu
1. Wanyakyussa (am See und in der Gegend der Missionsstation Rutenganio)
2. Wanyakiwinga (nahe dem Kieyo-Berge bei Kassiabona)
3. Wanyakihawa (am Lufirio-Flusse);
B. Waluguli (zwischen Kieyo, Rungwe und Livingston- Gebirge) ;
C. Wakukwe (westlich vom Kieyo und südlich vom Rungwe);
D. Wassako (in der Konde-Niederung, dicht an den Abhängen des Livingston-Gebirges bei Kissako).f)
*) In denjenigen Fällen, wo sich der mediale Fussrand nicht als eine zusammenhängende Linie abdrückt, ist ein gewisser Spielraum gelassen, an welcher Stelle man messen will; ich habe alsdann in der Regel den Fussrand im Verlauf der am meisten nach medial gelegenen Abdruckspuren vervollständigt und an dieser Stelle das Mafs angelegt.
**) D. h. ein Fuss, welcher unbelastet normal gewölbt ist, jedoch in belastetem Zustande eine dem Plattfuss ähnliche Form annimmt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine Anzahl der von mir ausgemessenen scheinbaren Plattfuss-Abdrücke von solchen weichen Füssen herrühren.
***) Dieses Bergland wird von den Eingeborenen »Muamba« im Gegensatz zu »Konde« — Johnston (1. c. 390) meint, dass dieser Name von dem Worte Nkonde, welches bei einigen benachbarten Stämmen Banane heissen soll, herkomme —, der Niederung, genannt; in dieser Arbeit ist dieses Bergland dem allgemeinen Sprachgebrauche folgend auch als »Oberes Konde- Land« bezeichnet.
j) Da Herr Missionar Schuhmann die Sprache des Landes beherrscht, während ich auf Dolmetscher angewiesen war, so haben seine Erkundungen mehr Gewicht als die meinen, doch will ich dennoch die mir gemachten Angaben, soweit sie sich nicht mit denen Schuhmanns decken, nebst einigen ergänzenden Bemerkungen hier hinzufügen:
Danach wären die Wanyakyussa keine Wabundugulu und ebenso die Wanyakiwinga nicht, sondern nur einige Häuptlinge in der Gegend des Kieyo (z. B. Manyara, Makifuma, Makanyanyira, Makassissi) bezeichneten sich mir als Wabundugulu.
Der Name »Baluguli« wurde mir nicht genannt.
Nach Herrn Missionar Schüler sollen in der Gegend von Muakareri auch eine Anzahl Wassafua und andere Leute benachbarter Stämme sitzen.
Alle diese Stämme sollen mit einander verwandt sein, mit Ausnahme der Wassako, die desselben Stammes wie die im englischen Gebiete bei Karonga (dicht an der deutsch-englischen Grenze) sitzenden Wakonde sind.
Die Sprache der Niederungsbewohner ist nach den Angaben sprachkundiger Missionare von der der Muamba- Leute dialektisch etwas abweichend.
Nach Merensky gehört die Sprache zu der Manganya- Gruppe* *), während Johnston eine besondere Sprachfamilie der Awa-nkonde unterscheidet, zu der er unter andern auch die »Awa-wandia, Awa-nyakiusa, Awa-ndali, Awa- kukwe, Awa-rambia, Awa-wiwa, Awa-nyamwanga, Awa- wanda und Awungu« zählt.**)
Die Bewohner des ganzen Konde-Landes besitzen eine gemeinsame, von der der Nachbarn durchaus abweichende Kultur, welche durch die intensive Ausnutzung von Banane und Bambus und durch die Pflege der Rinderzucht äusserlich ihr eigenartiges Gepräge erhält, während Körnerfrüchte, die sonst eine so bedeutende Rolle im Haushalt des Negers spielen, hier nur wenig angebaut Werden.***)
Aber auch abgesehen von diesen, z. T. ja durch Klima und Bodengestaltung hervorgerufenen Besonderheiten, haben diese Stämme viele Eigentümlichkeiten, und eine intensivere Vermischung mit den Nachbarn (vielleicht abgesehen von Wantali und Wakissi) scheint nicht stattgefunden zu haben.
Hierzu hat sehr wesentlich auch der friedliebende, Raubzügen abholde Charakter der Leute und die damit in Zusammenhang stehende Sitte, keine Sklaven zu halten, das seinige beigetragen; denn die wertvollste Beute in den Kriegen der Neger sind in der Regel die kriegsgefangenen Weiber, wodurch naturgemäss mit der Zeit eine ganz intensive Rassenmischung bei raublustigen Stämmen ein- treten muss.
Auch von den Einflüssen der europäischen und der Suaheli-arabischen Küstenkultur waren die Bewohner dieser Länder noch bis vor kurzem unberührt geblieben.
Ausserdem wurde mir noch eine Landschaft Nyika am linken Kiwira- Ufer (zwischen Rungwe und Rutenganio) genannt, wo sogenannte Nyika-Leute mit Wakukwe untermischt wohnen sollen; dieses Nyika hat mit der weiter nördlich gelegenen grossen Landschaft Unyika nichts zu thun. Ferner wurde mir gesagt, dass sich am linken Kiwira-Ufer oberhalb von Massewe der Stamm der Wapenia befinden sollte. Nach Herrn Missionar Meyer, der die beiden letzten Angaben bestätigte, soll der gemeinsame Name für die Wakukwe und die Bewohner der Rungwe-Gegend Wanyakyremba sein. Die Bewohner der Gegend von Rungwe bezeichneten sich als Wangumba; (Ku)ngumba, die Landschaft soll nach einer mir von Herrn Fitting übermittelten Angabe des Herrn Miss. Meyer »die Unfruchtbare« heissen.
*) Merensky 1. c. 102: »Stämme, die zu diesen Manganya zu rechnen sind, fanden wir von Senna am Sambesi, am Schire und Nyassasee bis hinauf an das Livingston-Gebirge. Verwandt mit dieser Völkerfamilie sind auch die weiter nörd« lieh wohnenden Baruri und die in der Nähe des Tanganyika wohnenden Mambue.«
**) Johnston 1. c. Seite 390; ferner daselbst: »The languages of the Awa-nkonde stock are generally remarkable for their archaic character in preserving many old Bantu roots and grammatical forms. Their full form of the pluralprefix of the second dass (refering to human beings) is almost always Awa, the only races, with the exception of the Awemba, in which this form is met with. They inhabit the northern and north-west coasts of Lake Nyasa und rnuch of the Nyasa-Tanganyika plateau, and extend north- westwards to the shores of Lake Rukwa.«
Die von Johnston bei der Schreibung der Namen angewandte Orthographie weicht von der in Deutsch-Ostafrika offiziellen, nach der ich mich gerichtet habe, ab. Auch habe ich die Namen der Volksstämme so wieder- - gegeben, wie sie von den Suaheli ausgesprochen werden und nicht mit den Präfixen wie sie in den betreffenden Ländern selbst eventuell gesprochen werden.
*•**) Eine ganz ähnliche Kultur besitzen allerdings auch die benachbarten Wantali, die jedoch in Bezug auf Sitten, Gebräuche, Abstammung u. s. w. von diesen Stämmen verschieden sein sollen (siehe später).