D ER vorliegende zweite Band enthält auf 336 Tafeln 764 Aufnahmen von Eingeborenen aus den verschiedensten Gebietsteilen Deutsch Neu Guineas. Tafel 1 beginnt mit den Stämmen an der englischen Grenze im südlichen Teile des Huongolfes und es folgen bis Tafel 330 in fast ununterbrochener Reihe die Völker bis zur holländischen Grenze. Die letzten 6 Tafeln zeigen Bewohner des Bismarck Archipels.
Der Regel nach wurde jede Person von vorn und von der Seite photographiert; in vereinzelten Fällen ist nur ein Bild vorhanden.
Bei Aufnahme eines so großen und verschiedenartigen Menschenmaterials, wo überdies eine beträchtliche Anzahl der Schwarzen mit der Kultur noch nicht in Berührung kam, sind die Schwierigkeiten ungewöhnlich groß. Unter allen Umständen muß man schnell arbeiten, sonst werden die Leute unruhig oder laufen gar davon. Gegen den photographischen Apparat haben sie ohnehin starke Abneigung, denn sie glauben, daß ihnen durch das Bild etwas von ihrem Wesen genommen wird und sie infolgedessen sterben müssen. Besonders unheimlich erscheint ihnen das Hantieren des Photographen unter dem schwarzen Tuche. Einklemmen des Kopfes in einen Kopfhalter ist nicht empfehlenswert; daher war es auch nicht immer möglich, genau die Vorder- und Seitenansicht zu treffen, denn häufig veränderten die Leute ihre Kopflage in dem Augenblicke, wo ich losdrückte. Aus diesem Grunde konnte die Belichtung stets nur kleine Bruchteile von Sekunden betragen.
Wenn irgend möglich, geschahen die Aufnahmen an schattigem Orte, wobei entweder der freie Horizont oder eine schnell aufgespannte Leinewand als Hintergrund dienten. Natürlich ist man in einem so wilden Lande häufig gezwungen, an ungünstigen und schattenlosen Plätzen zu photographieren, wobei sich dann die unangenehmen, schweren Schlagschatten ergeben. Wenn dem Reisenden mitten im Busch unvermutet ein wilder Geselle entgegentritt (Tafel 61), dessen Erscheinung man unter allen Umständen festhalten möchte, ist zum Schaden des Bildes auch nicht mehr Zeit, den Leinewandhintergrund aufzuspannen. Aus diesen Gründen möge man gegen Mängel der Bilder nachsichtig sein.
Ich hielt es für die dringlichste Aufgabe, möglichst viele, charakteristische Typen zu photographieren, damit einige Klarheit in das Völkergewirr kommt, welches den Übergang*-zwischen Indonesien und Australien bildet. Lediglich durch Körpermessungen, und wenn sie noch so umfangreich vorgenommen werden, kann man niemals ein klares Bild von diesen Völkern erlangen, weil infolge 'der zahllosen Mischungen die individuellen Abweichungen gar zu groß sind. Schwankt doch z. B. bei den von mir gemessenen Papua der Längenbreitenindex des Kopfes zwischen 84,6 und 66,7 und die Körperhöhe bei normal gewachsenen, gesunden Männern zwischen 135,5 und 180 cm! Nicht minder verschieden ist die Gestalt von
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