Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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ANHANG.

TEXTE VON GESÄNGEN AUS KAISER­WILHELMSLAND.

Über die Gesänge ist in Abschnitt 24 auf Seite 386 ff. berichtet. Die Texte nebst den Übersetzungen wurden durch sprachenkundige Missionare (Keysser, Lehner, Stolz, Oertel) niedergeschrieben. Einer größeren Reihe von Gesängen, besonders denjenigen aus der Umgebung von Kap König Wilhelm und von Samoahafen, sind unverständliche Worte untergelegt. Die Walzen befinden sich im Phonogramm-Archiv der Berliner Universität.

A. 42 Gesänge der Kai, westlich von Finschhafen.

1. (Walze 25.) Trauergesang.

Mala mala ohe, mala mala ohe, baung kesa.

Der Gesang, dessen Worte der Jabimsprache entnommen sind, soll sehr alt sein. Mala heißtDorf; ohe ist Interjektion des Schmerzes. Das Ganze ist eine Klage über das durch einen Todesfall verödete (baung kesa) Dorf.

2. (Walze 26.) Beschneidungs-Tanzlied.

Humazi saleta banue. Uli kenggong, kenggong jagba kenggong; sale kenggong, kenggong jagba kenggong. Bune kaong kaong o bulenda banue. Gai sale gaioma gaio nenggame; wamonezi niningnume salioma. Humazi saleta banue.

Ein sehr alter Gesang, denn die Worte, die ohnedies aus zwei Dia­lekten zusammengewürfelt wurden, sind zum Teil unverständlich. Der Sinn ist klar. Humazi saleta banue: diese Krankheit hat mich zum Skelett ge­

macht. Uli kenggong: schwankend. Sale kenggong: wackelnd. Bune kaong kaong o bulenda banue: mein Leib ist durch die Krankheit eingefallen

und gleicht einer leeren Mulde. Gai sale: vorstehende Rippen. Wamonezi niningnume: was wird mir nur helfen. Humazi saleta banue: diese

Krankheit hat mich zum Skelett gemacht.

Daß der Inhalt in keiner Beziehung zu der Gelegenheit steht, bei welcher die Gesänge gesungen werden (im vorliegenden Falle beim Beschnei­dungsfeste) stört niemand. Wahrscheinlich war der Dichterkomponist zur Zeit eines Beschneidungsfestes krank.

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