ABSCHNITT 34.
TIERWELT.
Was im Eingänge zum vorigen Abschnitte über die Pflanzenwelt bemerkt wurde, gilt auch für die Tierwelt. Ich bin weit davon entfernt, in den folgenden Zeilen eine zoologische Abhandlung geben zu wollen. Es mögen nur einige allgemeine Bemerkungen über die Tierwelt ihren Platz finden. 1 )
Alle in Neu-Guinea einheimischen, auf der Erde lebenden Säugetiere (Känguruh, Baumbär, Marder, Ratte, Maus usw.) sind Beuteltiere. Hund und Schwein wurden erst in später Zeit eingeführt, und die jetzt weit verbreiteten Ratten- und Mäusearten, welche nicht zu den Beutlern gehören, sind eine Errungenschaft der auf Neu-Guinea anstürmenden Zivilisation. Das vollständige Fehlen von Affen und größeren Raubtieren — das einzige überhaupt in Kaiser-Wilhelmsland vorkommende, zu den Säugern gehörige Raubtier ist der Beutelmarder — beweist, daß die Brücke schon vor unvordenklichen Zeiten abgebrochen wurde, welche Neu-Guinea mit dem indonesischen Archipel und Asien verband. Wir haben hier eine Säugetierwelt vor uns, worauf auch die eierlegende Echidna hinweist, die in einem sehr frühen Stadium der Entwickelung stehen blieb.
Die großen Flugsäuger, vor allem die fliegenden Hunde, die tagsüber an manchen Bäumen zu vielen Hunderten hängen, sind ein wunderbares Mittelding zwischen Vogel und Säugetier. Wer nur unsere unruhig flatternden Fledermäuse kennt, kann sich keine Vorstellung davon machen, mit wie ruhigem Flügelschlage der fliegende Hund, dessen Leib etwa die Größe einer recht feisten Ratte hat, durch die Lüfte streicht. In Bukaua sah ich sie wiederholt scharenweis in großen Höhen vor dem Vollmonde vorüber nachts durch die Lüfte ziehn. Sie wanderten nach den Ginggala-Inseln hinüber, wo sie ihre Sammelplätze haben. Am Markham streichen sie in der Frühe geräuschlos, fast ohne Flügelschlag, in geringer Höhe längs des
') Die von mir angelegten zoologischen Sammlungen gingen in den Besitz des Kgl. zoologischen Museums zu Berlin über. Direktor Brauer macht darüber folgende Angaben: „Die
zoologischen Sammlungen von Prof. Neuhauss umfassen 11 Säugetiere, 70 Reptilien und Amphibien in 31 Arten, von denen 2 neu sind, 27 Arten Vögel und etwa 1800 Insekten und andere Orthopoden, welche rund 60 Familien und 300 Gattungen zugehören. Abgesehen von dem Umfange ist das Material zunächst durch die gute Konservierung und die genauen Fundortsangaben von großem Wert. Die neuen Arten sind besonders deshalb so zahlreich, weil Neuhauss auch auf die unscheinbareren und kleineren Formen sein Augenmerk richtete, die sonst gewöhnlich nicht gesammelt werden.“
486