ABSCHNITT 33.
PFLANZENWELT.
Über die Pflanzenwelt von Neu-Guinea können Fachleute besser sprechen. Ich beabsichtige auch nicht abzuschreiben, was andere veröffentlichten, sondern will nur den allgemeinen Eindruck schildern, den der Reisende dort empfängt. Durch photographische Aufnahmen mögen einige der am meisten in die Augen springenden Vegetationsformen vorgeführt werden.
Überall dunkelgrüne, dicht bewaldete Berge, wenn man sich mit dem Schiffe der Küste nähert. Nur an vereinzelten Stellen leuchten hellere Grasflächen, die, so weit vom Meere aus sichtbar, lediglich in der Umgebung von Kap König Wilhelm größere Ausdehnung gewinnen. Es ist ein eigen Ding mit diesen Grasflächen. Als die ersten Berichte hierüber in die Öffentlichkeit kamen, erhoffte man ertragreiche Viehwirtschaft und war dann sehr enttäuscht zu bemerken, daß diese lachenden Wiesen und Almen aus messerscharfem, mannshohem Alanggrase bestanden. Das Vorkommen dieser Grasflächen ist so gut wie stets ein Anzeichen mageren Bodens und dünner Humusschicht. Urwald kann hier nicht aufkommen, denn einerseits finden die Wurzeln keine ausreichende Nahrung; andererseits wird die Steppe alljährlich gegen Ende der Trockenzeit von den Eingebornen niedergebrannt, um alles Getier, welches sich im hohen Grase versteckt hält, zu erwischen. Bei diesem Niederbrennen, welches die Wurzeln des Grases nicht beschädigt und sie infolge der Aschendüngung wieder kräftig ausschlagen läßt, würde aber jeder aufkeimende Strauch oder Baum vernichtet werden.
Wo sich Urwald angesiedelt hat, wird er niemals durch Steppe ersetzt, auch dann nicht, wenn die Eingebornen ihn zur Anlage ihrer Felder niederschlagen. Immer schießt nach Aberntung der Felder der Wald wieder auf und erstickt das Gras im Keime.
Von dem majestätischen Hochwalde kann sich kaum eine Vorstellung machen, wer ihn nicht gesehen hat. Es ist ein Kampf ums Dasein, wie er rücksichtsloser nicht geführt werden kann. Alles strebt nach oben zur Sonne, und was das rettende Licht nicht erreicht, muß vermodern. In Fig. 324 sehen wir einen von Lianen fest umklammerten Stamm. Der Baum war ursprünglich der stärkere und nahm dem Unterholz das Licht fort. Dann aber kroch eine Liane am Stamme empor, erreichte das Sonnenlicht, sendete Luftwurzeln nach unten, lockte neue Schößlinge hinauf und schließ-
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