ABSCHNITT 32.
METEOROLOGIE. ZODIAKALLICHT.
Die meteorologischen Verhältnisse von Kaiser-Wilhelmsland sind noch außerordentlich wenig bekannt, und es herrschen hierüber die unklarsten Vorstellungen. Als die Neu-Guinea Co. von dem Lande Besitz ergriff, schaffte sie zahlreiche, wertvolle Instrumente an und verpflichtete ihre Angestellten, sorgfältige Beobachtungen auszuführen. Aber diese Herren hatten mit verschwindenden Ausnahmen weder die nötigen Vorkenntnisse noch den guten Willen, legten Phantasielisten an und pflegten zu sagen: „Wenn es Bier regnet, wollen wir die Mengen gern messen, aber Wasser-!“
Auf den Missionsstationen werden jetzt seit einer Reihe von Jahren die täglichen Regenmengen genau festgestellt, so daß wir hierüber ein umfangreiches und zuverlässiges Material besitzen, welches in den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“ regelmäßig veröffentlicht wird. Fortlaufende Messungen der Temperatur und des Luftdruckes fehlen vollständig. Ich fand auf meiner Reise zu Arbeiten dieser Art auch wenig Zeit, besitze aber eine so große Anzahl von Einzelbeobachtungen, vor allen Dingen der Maximal- und Minimal-Temperaturen, daß man einen Überblick zu gewinnen imstande ist.
Zwischen dem zweiten und achten Grade südlicher Breite gelegen, hat Kaiser-Wilhelmsland ein echtes Tropenklima, welches in bezug auf Regenzeiten von den jeweilig wehenden Winden abhängt. Von Oktober bis April herrscht Nordwestwind, in den übrigen Monaten Südost. Der vom Meere kommende Wind bringt Regen, der Landwind Trockenheit. Die langgestreckte Nordküste hat also in unseren Wintermonaten Regenzeit, in unseren Sommermonaten Trockenzeit. Während der Regenperiode steht dort an den hafenlosen Küsten eine furchtbare Brandung, welche den Verkehr ungemein erschwert.
Man darf sich die Sache nicht so vorstellen, als ob es in der Regenzeit ununterbrochen regnet und in der Trockenzeit fortwährend blauer Himmel lacht. Im Gegenteil gießt es zeitweis in der Trockenzeit besonders nachts ungemein viel, und in die Regenzeit können sich lange Trockenperioden einschieben. Diese große Unsicherheit erschwert alle Anbauversuche und macht z. B. die Einbürgerung einer Baumwollkultur unmöglich. Letzteres ist sehr zu bedauern, denn die Baumwolle gedeiht an sich dort vorzüglich.
Die unsicheren meteorologischen Zustände bilden ein würdiges Seiten-
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