ABSCHNITT 31.
DAS REISEN IM LANDE UND DAS SAMMELN.
Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht die Zeitungsnotitz auftaucht, daß dieser oder jener Reisende beschlossen habe, Neu-Guinea zu durchqueren. Als ob man das so beschließen könne, wie man sich vornimmt abends ins Theater zu gehn! Allerdings, mancher Theaterreisende meint, er werde das schon machen, alle früheren Reisenden waren nur zu dumm. Afrika kann man bekanntlich mit dem Auto durchqueren. In Neu-Guinea würde man mit demselben über die schmale Küstenzone auch nicht ein Meter weit hinauskommen und in den wenigen Flußtälern säße man unrettbar im Sumpfe fest. Außerdem ist Afrika gut bevölkert, so daß man sich verproviantieren kann. In Neu-Guinea muß der gesamte Proviant mitgeführt werden. Daher bleibt es ein einfaches Rechenexempel, wie weit sich mit einer Karawane in das bergige Innere Vordringen läßt, gleichgültig ob man fünf oder hundert Träger bei sich hat. In dem wild zerrissenen Gelände kann man dem Träger höchstens 25 Pfund aufpacken. Von diesen 25 können durchschnittlich höchstens fünfzehn Pfund in Reis bestehen, denn es müssen doch andere Dinge wie Gewehre, Munition, Zelte, Reservekleidung, Apparate, Tauschartikel usw. mitgeführt werden. Um den Mann bei guten Kräften zu halten, bedarf er täglich 600 g Reis; er hat also in zwölf bis dreizehn Tagen seine Reislast selbst aufgegessen. Im schwierigen Gelände kann man bei einer solchen Expedition höchstens acht Kilometer Luftlinie rechnen; der Reisende würde also mit seinen Leuten vor dem leeren Eßbeutel stehen, bevor er hundert Kilometer zurückgelegt, also erst den vierten bis sechsten Teil der Strecke überwunden hat, denn abgesehen von den spitz zulaufenden Enden ist Neu-Guinea 400 bis 600 Kilometer breit. Am günstigsten liegen die Verhältnisse, wenn man mit ganz wenigen Leuten reist, weil für diese wenigen vielleicht Nahrung in den Dörfern aufzutreiben ist. Im Innern muß man aber darauf rechnen, mehrere Tagereisen weit überhaupt keine Dörfer zu finden.
Was käme bei einer mit Aufwendung aller Kräfte ausgeführten Durchquerung heraus? Wir würden hören, daß im Norden Wasser, in der Mitte wildes Bergland und im Süden wieder Wasser ist. Der Himmel bewahre also Neu-Guinea vor Durchquerern und schenke ihm recht viele Reisende, die es sich nicht verdrießen lassen, Mosaikarbeit zu leisten und Schritt für Schritt das Dunkel zu lichten, welches über diesem Lande noch allerwärts
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