ABSCHNITT 30.
LANDESPRODUKTE. ANBAUVERSUCHE. ARBEITERVERHÄLTNISSE. WIRTSCHAFTLICHE AUSSICHTEN.
Von einheimischen Landesprodukten, welche für die Ausfuhr in Frage kommen, spielt nur die Kokosnuß eine Rolle. Die hauptsächlichsten Nahrungsmittel der Eingebornen, Jams, Taro und Süßkartoffeln, können sich nie den Weltmarkt erobern. Für Bananen ist der Seetransport zu weit. Zwar sind in den sumpfigen Niederungen reiche Sagobestände vorhanden, die auch von den Eingebornen ausgenutzt werden. Das Produkt würde aber zu teuer werden, wollte man diese Bestände durch angeworbene Schwarze verarbeiten lassen. Eine Möglichkeit wäre, sich durch Eingeborne den Sago liefern zu lassen, doch bleibt die Sache vorläufig aussichtslos, da die Schwarzen zu faul und bedürfnislos sind, um derartige Arbeiten in nennenswertem Umfange auszuführen.
Vielleicht ließen sich durch Anbau des einheimischen Zuckerrohrs wirtschaftliche Erfolge erzielen; dasselbe gedeiht überall, in ganz besonderem Maße aber in einzelnen Flußtälern am Huongolf, z. B. am Nassaufluß. Ein Blick auf Figur 50 (S. 125) lehrt, daß hier für das Zuckerrohr allerdings ungewöhnlich günstige Bedingungen vorliegen, denn Rohre von dieser Höhe und Stärke, die man durch gewaltige Bambusgerüste stützen muß, damit sie nicht umbrechen, findet man anderwärts nicht häufig. Dazu kommt, daß die Eingebornen seit altersher Zuckerrohr bauen und mit der Kultur desselben vertraut sind.
Um die im Lande wild wachsenden Kautschuk-Lianen und die Gutta- Bäume nutzbringend zu verwerten und hierdurch gleichzeitig den Eingebornen Erwerbsquellen zu eröffnen, ließ die Regierung in dankenswerter Weise die Schwarzen zur Gewinnung von Kautschuk und Guttapercha anlernen. Natürlich ist das Produkt nicht erstklassig, beim Guttapercha sogar recht minderwertig, doch erfüllt das Ganze seinen Zweck. Freilich werden die gewonnenen Mengen stets viel zu geringfügig bleiben, um im wirtschaftlichen Leben der Kolonie eine nennenswerte Rolle zu spielen. Afrika mit seinen unermeßlichen Wäldern verträgt einen solchen Raubbau für lange Jahre; Neu-Guinea ist hierfür zu klein.
Unter den sonstigen einheimischen Erzeugnissen der Pflanzenwelt suchte man z. B. früher die Muskatnuß zu verwerten, auch ohne Erfolg.
Die überaus reichen Waldbestände müssen den Gedanken nahe legen,
456