ABSCHNITT 29.
DIE REGIERUNG.
Kaiser-Wilhelmsland verdankt den Aufschwung, den es in den letzten Jahren nahm, zum erheblichen Teile dem langjährigen, segensreichen Wirken des Gouverneurs Dr. Hahl. Seine Einsicht, Tatkraft und Ausdauer ist über jedes Lob erhaben, und wenn in vereinzelten Fällen vielleicht Mißgriffe vorkamen, so passiert dies eben selbst dem vollkommensten Menschen. Überdies darf man nicht vergessen, daß ein Einzelner nicht alles sehen und ausführen kann; er ist auf Hilfskräfte angewiesen, und in diesem Punkte bedürfen unsere Kolonien noch mancher Verbesserung. Die Neuheit unserer kolonialen Bestrebungen bringt es mit sich, daß das Kolonialwesen dem Volke noch nicht in Fleisch und Blut überging. Während es in England als selbstverständlich gilt, daß man „drüben“ war, kommt in Deutschland die ganze Sippschaft immer noch in die hellste Aufregung und Verwirrung, wenn ein Sohn des Hauses sich entschließt in die Kolonien zu gehen. Manche Kraft, die sich für die Kolonien vorzüglich eignen würde, bleibt aus Spießbürgerei daheim.
Wenn ich daher, so wie dies auch schon in früheren Abschnitten geschah, im folgenden einzelne Regierungsmaßregeln kritisiere, muß ich mich von vornherein gegen die Auffassung verwahren, als ob die ganze Regierungsmethode in Kaiser-Wilhelmsland verfehlt sei. Im Gegenteil erkennt jeder an, daß von der Regierung außerordentlich viel geleistet wurde. Wenn in einzelnen Fällen die Maßnahmen eine Kritik herausfordern, so ist dies begründet in der Unvollkommenheit alles Menschlichen und häufig auch in den dadurch herbeigeführten erschwerenden Umständen, daß man über das Geistesleben des Papua viel zu wenig unterrichtet war.
„Kaiserliches Gouvernement“. „Gouverneur“. Früher hatten wir in Kaiser-Wilhelmsland eine „Kaiserliche Regierung“ und einen „Landeshauptmann“. Damals dachten wir eben deutsch.
Bezeichnenderweise wird von den Eingebornen das Regierungsgebäude „Papierhaus“ genannt. Der Papua trifft hier wie stets in seinen Redewendungen den Nagel auf den Kopf, denn Papier und immer wieder Papier, das ist vorläufig noch ein Kreuz unserer Kolonien. Das arme Gehirn, welches all die Verfügungen behalten soll! Natürlich behält sie niemand, und wenn sie zum allgemeinen Besten im sauber gedruckten Amtsblatte erschienen sind, haben manche ihr Leben bereits beschlossen. Dabei sind einige derselben recht geeignet, Kopfschütteln zu erregen, z. B. diejenige, 450