ABSCHNITT 28.
MISSION.
In Kaiser-Wilhelmsland sind drei Missionsgesellschaften tätig. Zuerst siedelte sich (Juli 1886) die lutherische Neuendettelsauer Mission an, welche in der Umgebung des Huongolfes sitzt und daselbst gegenwärtig (1911) rund ein Dutzend Stationen hat, die sich auf den Küstenstrich von der Dorfinsel bis Adolfhafen verteilen. Auf jeder Station wirken zwei bis drei Missionare, und da noch einige weiße Gehilfen vorhanden sind, welche hauptsächlich in Finschhafen, wo sich die Missionsplantage befindet, den Wirtschaftsdienst besorgen, beläuft sich die Kopfzahl einschließlich der Frauen und Kinder auf rund 80.
Ende 1886 kam die rheinische protestantische Mission ins Land, deren Wirkungskreis die Umgebung der Astrolabebucht ist und welche gegenwärtig sechs Stationen unterhält.
Zehn Jahre später (1896) siedelte sich die katholische Mission, die „Gesellschaft des göttlichen Wortes“, an, deren Stationen sich auf den Küstenstrich von Alexishafen nördlich von Friedrich-Wilhelmshafen bis in die Nähe der holländischen Grenze verteilen.
Von vornherein sei jede Erörterung darüber ausgeschlossen, ob den Eingebornen durch die Bekehrung eine Verbesserung ihrer Lage nach Abschluß dieses Lebens gebracht wird. Das ist Glaubenssache. Für uns bleibt bei Beurteilung der Berechtigung des Missionswesens ausschließlich die Frage, ob durch Einführung des Christentums greifbare Vorteile irgend welcher Art entstehen. Diese Frage muß in bezug auf die Eingebornen von Neu-Guinea, deren ganzes Dasein von Geisterfurcht und Zauberei beherrscht wird, entschieden bejaht werden.
In seinem auf die nächste Umgebung des Dorfes beschränkten Gesichtskreise ist der Papua zur Vorstellung einer Gottheit nicht durchgedrungen. Für ihn sind die Geister der Verstorbenen, die im nächsten Umkreise des Dorfes ihr Wesen oder vielmehr Unwesen treiben, die Herrscher. Sie hausen im Dunkel des Waldes, in verrufenen Schluchten oder Höhlen und fügen dem armen Papua allerhand Leid zu.
Eine noch weit wichtigere Rolle als die Geisterfurcht spielt die Zauberei. Wenn es nicht regnet oder zu viel regnet, wenn die Feldfrüchte nicht gedeihen, die Kokospalmen nicht tragen, wenn die Schweine sterben, Jagd und Fischfang ergebnislos verlaufen, wenn die Erde bebt, eine Flutwelle das Küstendorf hinwegfegt, wenn Krankheit und Tod eintritt — nie-
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