Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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ABSCHNITT 27.

DER WEISSE ANSIEDLER, JÄGER UND GOLDSUCHER.

Der weiße Ansiedler machte mit Kaiser-Wilhelmsland oder viel­mehr Kaiser-Wilhelmsland mit dem weißen Ansiedler seltsame Erfahrungen. Das Regieren vom grünen Tische aus, wobei der grüne Tisch aber nicht etwa dort im Lande, sondern in Berlin stand, strafte sich wohl kaum je derart am Geldbeutel wie in dieser Kolonie. Obgleich überall gespart wurde, natürlich stets am Unrechten Flecke, gingen Millionen über Millionen nutzlos dahin. Regieren, probieren, pokulieren und sterben. Längere Zeit schien es, als ob das Ende vom Liede sein würde:Neu-Guinea den Papua!

Jetzt, wo die schwere Geißel der Malaria nicht mehr als Damokles­schwert über jedem Ankömmling hängt, wo an Stelle des zwecklosen Her- umtastens zielbewußte Arbeit trat und die Regierung allerwärts bemüht ist, geordnete Zustände zu schaffen, bekommen die Verhältnisse ein anderes Gesicht. Zwar sind wir noch nicht bei idealen Zuständen angelangt, und es könnte manch nutzloser Versuch unterbleiben, aber im allgemeinen befindet sich alles in gesunden Bahnen.

Wirtschaftlich kommt für Kaiser-Wilhelmsland fast nur die Neu- Guinea Co. in Betracht. Zwar besitzen die Missionen etwas Plantagenland, und einige wenige weiße Ansiedler arbeiten für eigene Rechnung; doch ist dies im Verhältnis zur Gesamtheit zu unbedeutend, wir müssen sagen: leider; denn eine größere Zahl einzelner Ansiedler bleibt für eine Kolonie ein besseres Rückgrat als eine einzige allmächtige Gesellschaft. Der ein­zelne Ansiedler hat höheres Interesse am Gedeihen des Landes als der Angestellte eines großen Aktienunternehmens. Bei letzterem verpflichten sich der Regel nach jüngere Leute für wenige Jahre, die den Wunsch haben, sich in der Welt umzusehen. Es ist hocherfreulich, daß dieser Wunsch jetzt auch bei uns in immer weitere Kreise dringt; aber der Kolonie wird mehr gedient, wenn diejenigen, welche hinausgehen, dort für längere Jahre bleiben und sich einen eigenen Herd gründen. Ein fleißiger junger Mann, dem einige tausend Mark Anlagekapital zur Verfügung stehen, kann sich dort eine gesicherte Existenz schaffen. Stets handelt es sich aber um Plantagenwirtschaft; für den weißen Ackerbauer bleibt Neu-Guinea durch­aus ungeeignet. Man machte in Neu-Pommern (Bismarck-Archipel), wo die gesundheitlichen Verhältnisse erheblich günstiger liegen als auf dem Festlande von Neu-Guinea, Versuche mit der Ansiedlung Queensländer 438