ABSCHNITT 25.
RELIGIÖSE ANSCHAUUNGEN. ZAUBEREI. TOTEMISMUS. SAGEN UND ERZÄHLUNGEN.
Daß es für den Reisenden unmöglich ist, Genaueres über die religiösen Anschauungen des Papua zu ermitteln, wird in der Einleitung zu Band 3 auseinandergesetzt, und diejenigen, welche sich einbilden, hierüber Bemerkenswertes erfahren zu haben, leben in schwerer Selbsttäuschung. Die Verhältnisse liegen folgendermaßen: aus Furcht vor der Rache der ihn allerwärts umschwebenden Geister hält der Papua sein Inneres verschlossen; auch den heranwachsenden Knaben wird eingeschärft, von dem was sie erfuhren nichts zu verraten. Vieles von den Anschauungen ist keineswegs Gemeingut aller, sondern pflanzt sich immer nur von den Alten auf die Alteren der nächsten Generation fort; daher die ständige Antwort: „Das wissen wir nicht; du mußt die Alten fragen.“ Dazu kommen die großen Schwierigkeiten der zahlreichen Sprachen. Nur mit außerordentlichem Aufwande von Zeit und Mühe wäre der Reisende imstande, einen einzigen Dialekt so zu erlernen, daß er sich über abstrakte Dinge mit dem Schwarzen unterhalten kann. Missionare, die jetzt mehr als zwei Jahrzehnte im Lande sind, konnten über gewisse Ausdrücke bisher immer noch nicht ins klare kommen. Der Reisende bleibt also auf Pidjin angewiesen, mit dem jedes Eindringen in das Geistesleben überhaupt vollständig unmöglich ist. In den holländischen Gebietsteilen vertritt Malaiisch die Stelle des Pidjin. Aber Pidjin sowohl wie Malaiisch verstehen nur die jüngeren Leute, welche längere Zeit mit den Weißen als Arbeiter, Soldaten usw. in Berührung standen. Diese wissen nichts mehr von den altväterischen Anschauungen und Überlieferungen.
Der Papua ist um eine Antwort niemals verlegen; wenn der Reisende ihn ausfragt, wird er, soweit seine Sprachkenntnisse dies zulassen, auf alles zu antworten wissen. Daß er hierbei ins blaue hinein phantasiert, kümmert ihn wenig. Er ist stolz darauf, den Weißen belehren zu können, und wird niemals eine Auskunft schuldig bleiben. Die Antwort: „das wissen wir
nicht, du mußt die Alten fragen“ bekommt der Reisende nicht zu hören, sondern nur der Missionar, der seine Pappenheimer kennt und von denselben gekannt wird. Diese Verhältnisse, durch welche — nicht nur in bezug auf Neu-Guinea — ungeheuer viel Unsinn in die ethnographische Literatur überging, sind bei wissenschaftlicher Ausnutzung der Reiseberichte zu berücksichtigen.
Ich verzichtete daher von vornherein darauf, leeres Stroh zu dreschen
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