Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
382
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ABSCHNITT 24.

FESTE. MUSIK. GESANG. TANZ.

Da der Papua einen feststehenden Kalender mit den üblichen Sonn- und Feiertagen nicht hat, schließlich aber jeder Mensch, auch der Nichts­tuer, das Bedürfnis fühlt, sich einmal auszuruhen und etwas besonders Gutes zu essen, so müssen in Neu-Guinea kleine Ereignisse des täglichen Lebens die Gelegenheit geben zum Abhalten von Festen, die außer mit Schmauserei fast ausnahmslos mit Gesang und Tanz verbunden sind. Man feiert die Beendigung eines Hausbaues und der Feldbestellung, den Beginn der Ernte, die Geschlechtsreife der Knaben und Mädchen, die Fertigstellung eines Kanus, den Abschluß einer Trauerzeit, die Namengebung eines Kindes, die erste Bootsfahrt des Jünglings, den Sieg über Feinde, den Friedensschluß und hundert andere Dinge, die auf das Gemüt des Schwarzen irgend welchen Eindruck machen. Nur die Verheiratung pflegt ganz festlos vorüberzugehen. Sie ist lediglich ein Kaufgeschäft, und was sonst mit ihr zusammenhängt, sind für beide Teile keine ungewohnten Neuigkeiten, die man wie bei uns durch einen Festschmaus besonders markieren müßte.

In Band 3 sind von den verschiedenen Mitarbeitern zahlreiche Feste, wie das große Beschneidungsfest, ausführlich beschrieben. Hier mögen daher nur einige Ergänzungen folgen.

Daß ich in Sissanu, westlich von Berlinhafen, das Glück hatte, Be­schneidungskandidaten und einiges, was zur Beschneidung gehört, selbst zu sehen, wurde bereits erwähnt. In den Figuren 69 bis 71 (S. 158159) sind diese Kandidaten nebst ihren Behausungen abgebildet. An den übrigen Küstenstrichen, besonders am Huongolf, gehört dies Fest schon seit anderthalb Jahrzehnten der Vergangenheit an. Von dem Hügel in Nähe der Sissanu-Dörfer, wo die Knaben wohnten, schallten unausgesetzt unharmonische Flötentöne in die Nacht hinaus, und gearbeitet wurde von den Männern während mehrerer Monate überhaupt nicht. Um so häufiger sah man lange Reihen mit Schweinefleisch gefüllter Töpfe im Feuer brodeln, und die großen säulenförmigen Sagobehälter (Fig. 178 S. 272) wurden ent­leert. Auch die Frauen des einen Dorfes, welche sich sonst mit Töpferei beschäftigten, ließen diese Arbeit während der Festzeit ruhen.

Dieselben Sissanu feiern ein Bekleidungsfest (Mollfest), wo Mädchen im Alter von ungefähr sechs bis acht Jahren von ihren Namenspaten bemalte Rindengürtel und einen Lendenschurz aus Bast erhalten. Der 382