ABSCHNITT 23.
SPIELZEUG UND SPIELE.
Der Papua bleibt bis zu seinem Lebensende ein Kind und spielt daher, so lange seine Knochen noch halbwegs gelenkig sind. Da er selbst Freude am Spiel hat, unterstützt er hierin nach Kräften seine Kinder, indem er ihnen allerhand Spielzeug wie Bogen, Pfeil, Trommeln, Kanus usw. schnitzt. In den Sissanu-Dörfern findet man sogar kunstvoll geschnitzte kleine Kinderschilde, die in Form und Verzierungen den Schilden der Erwachsenen gleichen (Fig. 206 a S. 306); auch kleine, verzierte Bauchpanzer (Fig. 205 a S. 305) erhalten die Kinder von ihren Vätern und mit Auslegern versehene Kanus, auf denen sie munter durch die Brandung fahren.
Allerwärts sind Kriegsspiele bei der Jugend beliebt. Wo die Eltern Pfeil und Bogen tragen, wird auch von den Kleinen diese Waffe verwendet, und wo der Speer heimisch ist, bearbeitet man sich gegenseitig mit Speeren aus weichem Material. 1 ) Dabei geht es nicht ohne starke Püffe und Knüffe ab, und die verhältnismäßig große Zahl der Einäugigen verdankt dies Gebrechen einem in das Auge gedrungenen Geschoß. Auch die Schleuder, welche als Waffe bei den Erwachsenen mehr in den Hintergrund tritt, wird von den Kindern fleißig gebraucht.
Im flachen Wasser fischen die Knaben mit Pfeil und Bogen und kleinen, eigens für sie hergestellten Netzen.
Auf Tami wird das Speerwerfen mit langen Halmen oder Stöcken von den Kindern systematisch betrieben. Es bilden sich zwei Parteien: A und B; als Ziel dienen Bananenstämme. A hat alle Speere und wirft nach dem Ziele bei B. Die Geschosse, welche ihr Ziel verfehlen, werden von der Partei B aufgenommen und nach dem Ziel bei A geworfen. Jeder Teilnehmer von B, der das Ziel A trifft, darf einen Speer aus Ziel B herausziehen und nach Ziel A schleudern. Trifft er wieder, so darf er noch einen weiteren Speer herausziehen, und so fort, bis er fehlschießt. Hat nun B alle Speere bis auf diejenigen, welche im Ziel B stecken und die nur nehmen darf, wer Ziel A traf, verschossen, so sammelt die Partei A die von B fehlgeschossenen Speere und schleudert sie nach dem Ziel B. Wiederum darf für jeden Speer, der letzteres Ziel traf, ein Speer aus dem Ziel B herausgezogen werden. Das geht so lange fort, bis es einer Partei gelungen ist, sämtliche Speere auf dem anderen Ziele aufzuspießen. Der verlierenden Partei wird ein Stück Holz o der ein Stein zugeworfen, den
*) Verfasser fertigte hiervon eine kinematographische Aufnahme.
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