Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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ABSCHNITT 21.

DAS KANU.

In Kaiser-Wilhelmsland kann man die Entwicklung des Kanus von den allerersten Anfängen bis zum prächtigen Hochseefahrzeug verfolgen. Wenn der Anwohner des Markham auf die gegenüberliegende Seite des reißenden Stromes gelangen will, nimmt er ein Stück Treibholz unter den Arm und arbeitet sich mühsam hinüber; will er dagegen stromabwärts eine weitere Fahrt unternehmen, bindet er einige Rundhölzer nebeneinander, errichtet mit demselben primitiven Material eine kleine Plattform und hat nun ein Fahrzeug, welches drei oder vier Menschen zu tragen vermag (Fig. 19 S. 53). Etwas höher in der Entwicklung stehen die aus Treibholz gefertigten Boote in Sialum bei Kap König Wilhelm (Fig. 32 S. 71 u. Fig. 248249). Man hat dort keinen Hochwald und ist daher auf die Baumstämme ange­wiesen, welche die Meeresströmung ans Ufer spült. Aushöhlen lassen sich dieselben nicht, und es bleibt daher die Tragfähigkeit gering. Damit sie nicht umkippen, werden sie mit Auslegern versehen. Sie dienen lediglich zum Verkehr zwischen dem Festlande und der nahe gelegenen kleinen Insel, auf welcher das Dorf Sialum liegt, ferner zur Fischerei nahe der Küste.

Bei Herstellung von Booten mit ausgehöhltem Trog muß zuerst der Baumstamm im Walde ausgesucht und gefällt werden. Dabei ist darauf zu achten, daß das Holz sich nicht im Safte befindet. Bei weitem nicht jedes Holz ist brauchbar, denn nicht wenige Sorten würden beim Trocknen aufreißen und niemals einen wasserdichten Trog liefern. Das Fällen eines so starken Stamms mit Steinbeilen erfordert für den Einzelnen eine Arbeit mehrerer Tage; deshalb beteiligen sich hieran immer zahlreiche Leute; auch wäre der Transport des Stammes nach der Küste sonst unmöglich. Die Mithelfer müssen aber für ihre Arbeit durch reichliches Essen und zum Schluß durch ein Festmahl mit Schweinefleisch belohnt werden, so daß ein größeres Boot dem Eigentümer ziemlich teuer zu stehen kommt.

Der zum Ufer transportierte Stamm wird nahe der Küste bis zum Dorfe geflößt, wo man ihn ans Land zieht und zur weiteren Bearbeitung unter schattigen Bäumen niederlegt. Nun glättet man zuerst die Außen­fläche und gibt dem Ganzen durch Zuspitzen der Enden die Bootform (Fig. 250). Nach Ebenung der Oberseite geht es an das Aushöhlen, wobei ein Schwarzer an jedem Ende und zwei oder drei in der Mitte arbeiten. Mit den alten Steinäxten war dies eine mühselige Sache, und man nahm mitunter Feuer zu Hilfe, um die Arbeit etwas zu beschleunigen und zu

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