ABSCHNITT 20.
INDUSTRIE UND KUNST.
Man sollte meinen, daß der Papua infolge der ewigen Feindseligkeiten das Bestreben hat, sich von seinem Nebenmenschen möglichst unabhängig zu machen und alles, was er irgend kann, selbst herzustellen. Aber nichts davon; jeder Bezirk hat seine eigene Industrie und wird es sich niemals einfallen lassen, dem Nachbar ins Handwerk zu pfuschen. Das ist recht gut für die Leute, denn wenn sie nicht auf die Lieferungen der anderen angewiesen wären und schon aus diesem Grunde ab und zu Frieden schließen müßten, würden die Totschlägereien überhaupt kein Ende nehmen. Alles ist auf bestimmte Gebiete beschränkt: Töpferei, Herstellung von Tragnetzen, Binsentaschen, Pfeilen, Bogen, Armbändern, Lendentüchern, Steinbeilen, Fischreusen, großen Fangnetzen usw. 1 )
Eins der Hauptzentren für Töpferei ist Laukanu am Huongolf unweit der Mündung des Franziskaflusses. Der hierfür verwendete grünliche Ton wird nur auf einer kleinen Insel gefunden, welche Braunschweighafen gegenüberliegt, und zwar befindet sich die Fundstätte an der Westküste der Insel, auf einem schmalen Uferstreifen, welcher den steil ansteigenden Felsen vorgelagert ist. Wahrscheinlich endete hier einstmals die Zunge eines Gletschers, welcher von den hohen Gebirgen herabsteigend den gewaltigen Fjord Braunschweighafen ausmeißelte und den Grünschiefer hierher trug, dessen Zersetzungsprodukt der Ton ist.
Bei dem sehr seltenen Vorkommen von brauchbarem Töpferton ist diese Fundstelle schon seit unvordenklichen Zeiten ausgenutzt, denn man findet längs der Küste Gruben in langer Reihe. Das Herbeischaffen des Tons bleibt Sache der Laukanu-Männer, welche nach der von ihrem Heimatdorfe ziemlich weit entfernten Toninsel Bootfahrten unternehmen und den grünlichen Ton in runden, kopfgroßen Klumpen heimbringen. Alles Weitere ist Frauenarbeit.
Sollen Töpfe fabriziert werden, so zerkleinert man zuerst die trockenen Klumpen und sucht die gröberen Steine heraus; dann weicht man den Ton in einer Holzmulde ein, und nun machen sich die Frauen daran, bei fort-
') Die nachfolgende Beschreibung der verschiedenen Industriezentren soll keine erschöpfende Darstellung geben. Vielmehr handelt es sich hier, wie durchweg in vorliegendem Buche, lediglich um die eigenen Erkundungen und Beobachtungen des Verfassers. Es wäre wünschenswert, wenn weitere diesen Gegenstand berührende Mitteilungen in die Öffentlichkeit kommen und unsere Kenntnis der Industriezentren dadurch vermehrt wird. Sicherlich ergeben sich hier manche Anhaltspunkte für die Zusammengehörigkeit der verschiedenen Stämme.
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