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Bd. 1 (1911)
Place and Date of Creation
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ABSCHNITT 15.

HAUSTIERE.

NAHRUNGS- UND GENUSSMITTEL.

Schwein, Hund und Huhn sind die einzigen Haustiere des Papua, und unter ihnen spielt das Schwein die Hauptrolle. Es ist kein ursprünglich im Lande einheimisches Tier, denn von Säugern brachte Neu-Guinea nur Beuteltiere hervor. Jedenfalls wurde dasselbe vom malayischen Archipel her eingeführt. Man stritt sich darüber, ob das Dorfschwein und Wild­schwein verschiedene Rassen sind, ob ersteres von letzterem oder letzteres von ersterem abstammt. Die Sache liegt ungeheuer einfach: zwischen bei­den besteht nicht der mindeste Unterschied, denn die Fortpflanzung der Dorfschweine geschieht lediglich mit Hilfe der Wildschweine. Das hängt folgendermaßen zusammen: der Papua merkte durch irgend einen Zufall,

daß kastrierte Eber sich kräftiger entwickeln und fetter werden als unbe­schnittene. Dies macht er sich zunutze und kastriert die Tiere im ersten Lebensjahre. Bei den Kai gibt es hierfür besondere Schweineschneider, welche die Hoden, die man sogleich verspeist, mit Obsidian wegschneiden. Die eintretende Blutung wird durch einen Feuerbrand gestillt. Bei den Jabim und Tami spaltet man den einen Hodensack und nimmt den Hoden heraus. Dann wird die Zwischenwand aufgeschnitten, um den anderen Hoden durch dieselbe Öffnung herauszuholen. In den leeren Hodensack stopft man pulverisierte Holzkohle und bestimmte Blätter, um die Blutung zu stillen.

Neben dem besseren Wachstum hat man bei kastrierten Ebern noch den Vorteil, daß sie nicht den Wildsauen im Walde nachjagen und auf diese Weise selbst verwildern.

Da sich die Dorfschweine überall herumtreiben und frei in den Wald laufen nur in der Umgebung von Kap König Wilhelm hält man dieselben in den umzäunten Dörfern übernehmen die Wildeber das Befruchtungs­geschäft bei den Dorfsauen.

Um auf der Jagd die Wildschweine von Dorfschweinen leicht unter­scheiden zu können, hackt man letzteren den Schwanz ab; die Besitzer versehen sie außerdem mit Einkerbungen am Ohre, um die Familienzuge­hörigkeit der Tiere kenntlich zu machen. In Kelana sah ich auf den Leib aufgemalte Eigentumsmarken. Die Farbe der Tiere ist schwarzbraun (Fig. 34 S. 73); doch findet man vereinzelt mehr ins Graue spielende, niemals aber helle Tiere. Die dunkele Schutzfärbung, welche den Menschen 262