ABSCHNITT II
KÖRPERPFLEGE. HAARTRACHT. BEMALUNG. TÄTOWIERUNG. ZIERNARBEN. DURCHBOHRUNGEN. DEFORMATIONEN.
Wenn der Papua ein wenig mehr Sorgfalt auf die Pflege seines Körpers verwendete, würde er nicht so sehr an den entsetzlichen Wunden und Hautkrankheiten zu leiden haben. An der Küste tummeln sich wenigstens die Kinder mitunter im Wasser; bei den Erwachsenen geschieht dies schon weit seltener. Im Inlande scheint jedoch das Wasser nur dazu da zu sein, um die Berührung mit demselben sorgfältig zu vermeiden. Die Haut, welche niemals eingeölt wird, ist trocken und besonders an den Unterschenkeln derart brüchig und papierartig, daß durch die kleinsten Verletzungen ausgedehnte Eingangspforten für allerhand Infektionsstoffe sich bilden.
Soweit bei dem Papua von Körperpflege überhaupt die Rede ist, beschränkt sie sich auf den Kopf. Hier ist sie wie die Figuren 39 (S. 79) und 86 zeigen, auch am allernotwendigsten, denn das dicht verfilzte Haar bildet eine Herberge für Ungeziefer verschiedenster Art. Besonders treiben es große Läuse selbst dem gegen Insektenstiche recht unempfindlichen Papua zu arg. Deshalb sieht man häufig den Schwarzen mit seinem langen Kamm in den Jagdgründen des Haupthaars herumstochern.
Die Pflege des Gesichts wird insofern mit großer Sorgfalt betrieben, als man auf die Beseitigung des Haarwuchses, und zwar nicht nur des Bartes, sondern auch der Augenbrauen bedacht ist. Der Papua kann mit seinem Bartwuchs nicht viel Staat machen; das weiß er recht gut und beseitigt daher die vorhandenen Stoppeln. Dies geschieht auf verschiedene Weise: sehr verbreitet ist die Benutzung von Obsidiansplittern. Da Obsidian in Kaiser-Wilhelmsland nicht vorkommt, führt man denselben vom Bismarck- Archipel her ein. Neuerdings treten Flaschenscherben an seine Stelle, die, wenn sie gut geschlagen sind, die Schärfe eines Rasiermessers erreichen. Für eine kleine Operation, die ich vornehmen mußte, stand kein hinreichend scharfes Messer zur Verfügung; daher schlugen die Schwarzen eine Glasscherbe zurecht, welche in vollendetster Weise die Stelle des Messers vertrat und außerdem den Vorteil vollkommener Aseptik hatte.
In Sissanu beobachtete ich, wie die Epidermis von jungem Bambus, die haarscharf ist, wenn man sie in 1 bis 2 mm breiten Streifen herunter-
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