Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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ABSCHNITT 7.

BEVÖLKERUNGSZAHL.

Kaiser-Wilhelmsland ist sehr dünn bevölkert; es fällt aber außer­ordentlich schwer, eine annähernd richtige Angabe über die Kopfzahl zu machen. Offiziell wird die Bevölkerung auf 110000 angegeben.

Die Schwierigkeiten genauerer Angaben beruhen darauf, daß wir über die Bevölkerung im Innern des Landes herzlich wenig wissen. Über weite Gebiete, so über die gewaltige Ebene des Augustaflusses, die wahrschein­lich dicht bevölkert ist, liegen noch keinerlei Nachrichten vor; ebenso sind wir über das Bergland im Innern noch ganz im unklaren. So viel steht jedoch fest, daß die ursprüngliche Vorstellung von dem völlig menschen­leeren Innern grundfalsch ist. Beispielsweise ist das obere Markhamtal in Nähe der Wasserscheide nach den Beobachtungen von Dammköhler unge­wöhnlich dicht bevölkert. Auch hatte man irrige Vorstellungen darüber, bis zu welcher Höhe im Gebirge die Eingeborenen wohnen. 700 bis 800 m Meereshöhe wurden in der Regel als äußerste Grenze angenommen. Ich war daher erstaunt, auf meiner Reise im Kai-Inlande (Jan. 1909) tief im Innern bei 1400 m Meereshöhe noch eine nackt gehende, verhältnismäßig dichte Bevölkerung anzutreffen.

Forschen wir nach den Gründen, weshalb das mit üppigster Vegetation bestandene Land gegenwärtig auf jeden Quadratkilometer sicherlich nicht viel mehr als einen Einwohner hat, so müssen wir zunächst die ganze Eigenart des Papua berücksichtigen: er ist ein mißtrauischer, abge­schlossen lebender Geselle; die Inzucht steht also in vollster Blüte. Er ist faul und arbeitet bei Leibe nicht mehr, als zum notdürftigsten Lebens­unterhalte unerläßlich nötig wird. Besäße er große Familie, so müßte er viel Wald roden, um größere Felder bestellen zu können. Das kostet Schweißtropfen, und man sorgt daher bei Zeiten dafür, daß die Familie nicht zu umfangreich wird; Kindesabtreibung und Kindermord stehen in vollster Blüte. Junge Frauen treiben die ersten Kinder schon deshalb fast regelmäßig ab, weil sie glauben, sich dann länger kräftig zu erhalten. Wenn z. B. auf Tami die Eltern ein Mädchen erwartet hatten und es kam ein Junge, so wurde letzterer einfach in die nächste Grube geworfen. Von Zwillingen wird bei vielen Stämmen stets das eine Kind getötet.

Noch weit mehr als Kindesabtreibung und Kindermord trägt zur Entvölkerung des Landes der gegenseitige Totschlag bei. Stirbt jemand im Dorfe, so sind niemals natürliche Ursachen daran schuld, sondern stets

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