ABSCHNITT 5.
SINNESORGANE. GEISTIGE VERANLAGUNG. TEMPERAMENT. CHARAKTER.
Über den Geschmack des Papua läßt sich wenig sagen. Wenn ihm unsere europäischen Speisen nicht munden, so hängt dies damit zusammen, daß die Art derselben und ihre Zubereitung ihm ganz fremd ist. Besonders ungewohnt sind ihm die von uns reichlich verwendeten Gewürze. Alle ihre Gerichte, auch die verschiedensten Kuchenarten, schmecken fade, weil Salz, Zucker und alles andere fehlt, wodurch uns die Speisen erst zum Genuß werden.
Wenn der Eingeborene den ihm gereichten Zucker wieder ausspeit, so darf man daraus nicht schließen, daß seine Geschmacksnerven Süßes in anderer Weise empfinden als die unsrigen. Die Lae-Womba lieben z. B. einen äußerst süßen gekochten Bananenmus, ein Gericht, welches mit recht süßem, aromatischem Apfelmus größte Ähnlichkeit hat. Beim Schlucken von Chinin schneidet der Papua dieselben Grimassen wie wir.
Auch das Gefühl des Schwarzen dürfte kaum anders sein als dasjenige des Weißen. Wenn sich die Mädchen bei Eintritt der ersten Regel auf Brust und Rücken durch Schneiden und Brennen hunderte von Wunden anbringen lassen, um später die zu vollendeter Schönheit notwendige Anzahl von Ziernarben aufweisen zu können, wenn sich beide Geschlechter die Ohrmuschel an verschiedenen Stellen, ferner die Nasenflügel und die Nasenscheidewand durchstechen und durchquetschen, so darf man das nicht als ein Zeichen von stark herabgesetzter Empfindlichkeit der sensiblen Nerven auffassen. Die Eitelkeit überwindet eben das stärkste Schmerzgefühl; sonst würden auch unsere Damen nicht viel zu enge Schuhe tragen. Wiederholt erlebte ich es, daß Schwarze, bei denen kleine Einschnitte in Abszesse gemacht werden mußten, unbändig brüllten und mit aller Gewalt festgehalten werden mußten.
In Bezug auf den Geruch machte ich eine eigentümliche Beobachtung: einige Leute aus der Umgebung von Dalimannhafen reagierten nicht im mindesten darauf, wenn man ihnen eine Flasche mit Ammoniak (Salmiakgeist) unter die Nase hielt; es schien, als ob ihre Geruchsnerven völlig unempfindlich seien. Bei weiteren Versuchen bestätigte sich dies jedoch nicht und die Schwarzen äußerten denselben stechenden Schmerz wie wir, wenn Ammoniakdämpfe in die Nase dringen. Es stellte sich heraus, daß
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