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Bd. 1 (1911)
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ABSCHNITT 4.

KÖRPERBAU DES PAPUA.

Wir kommen jetzt zu einem ungemein schwierigen Kapitel, bei dem wohl auf lange Jahre hin ein abschließendes Urteil sich noch nicht fällen läßt. Freilich, als ich drei Monate im Lande war, glaubte ich über alle in Frage kommenden Verhältnisse aufs beste unterrichtet zu sein und einen klaren Überblick gewonnen zu haben. Als ich jedoch nach neunzehn­monatlichem Aufenthalte aus dem Lande schied, wußte ich, daß ich gar nichts weiß.

Schlimm ist die Verwirrung mit den NamenMelanesier undPapua, unter welch letzterer Bezeichnung viele alles verstehen, was irgendwo im südwestlichen Teile des stillen Ozeans wohnt, die Australier nicht ausge­nommen. Man möge sich endlich daran gewöhnen, mitPapua nur die Bewohner des Festlandes von Neu-Guinea zu bezeichnen, einschließlich der in nächster Nähe desselben gelegenen Inseln, wie Tami, Siassi, Dampier usw.

Melanesier sind die Bewohner von Neu-Pommern (Neu-Britannien), Neu-Mecklenburg (Neu-Irland), der Salomoninseln, einiger anderer Insel­gruppen und wahrscheinlich auch die ausgestorbenen Tasmanien Die Australier stehen ganz abseits. Sollte sich das Bedürfnis nach einer gemein­samen Bezeichnung von Papua und Melanesier geltend machen, so bleibt für diese dunkelfarbigen, kraushaarigen Rassen der Name:Negerrassen der Südsee zur Verfügung.

Besonders verwickelt werden die Verhältnisse dadurch, daß Melanesier in Kaiser-Wilhelmsland einwanderten und sich an der Küste festsetzten.

Der Papua, wie er uns in den Büchern über Länder- und Völker­kunde entgegentritt, ist ein wild dreinschauender Geselle mit ungeheurer Haarperrücke, dem der Zeichner die Gier nach Menschenfleisch möglichst augenfällig ins Gesicht malte. Als Vorlage für die Bilder dienten meistens Aufnahmen von Küstenleuten aus den holländischen Gebietsteilen, besonders aus der Umgebung der Geelvinkbucht, weil von hier Reisende schon früh brauchbare Aufnahmen mitbrachten. Gerade in jenen Gegenden fand aber seit langer Zeit Mischung mit malaiischen Elementen statt.

Während der ganzen Reise betrachtete ich es als Hauptaufgabe, aus den verschiedensten Gebieten möglichst viel Bildnismaterial gut ausgeprägter Typen beizubringen. Dasselbe ist in 764 Aufnahmen auf 336 Tafeln im zweiten Bande dieses Werkes niedergelegt. Auf Grund dieser Aufnahmen 86