ABSCHNITT 2.
DAS LAND.
Der zu Deutschland gehörige Teil von Neu-Guinea ist etwa ein Drittel so groß wie das Deutsche Reich und liegt zwischen 2 1 2 und 8° südlicher Breite, also in unmittelbarster Nähe des Äquators. Der Küstenpunkt der deutsch-englischen Grenze ist von demjenigen der deutsch-holländischen 1000 Kilometer in Luftlinie entfernt; das ist die Strecke von Frankfurt a. M. bis Memel. Das Land ist überdeckt mit hohen zerrissenen Gebirgen, welche den Verkehr und ein Vordringen in das Innere ungemein erschweren. Auf der ganzen Küstenfahrt von der holländischen bis zur englischen Grenze erblickt man Berge und immer nur Berge. Eine Ausnahme bildet lediglich die kurze Strecke, wo Augustafluß und Ramu münden. Der Küste nahe vorgelagert ist eine Reihe bergiger Inseln, von denen mehrere, z. B. Kairiru bei Dallmannhafen, Bäm vor der Mündung des Augustaflusses, Manam bei Potsdamhafen und Karkar (Dampier-Insel) tätige Vulkane besitzen. Nähert man sich der Astrolabebucht (Friedrich-Wilhelmshafen und Stephansort), so tritt die gewaltige Kette des Bismarckgebirges deutlich hervor, dessen höchste Erhebungen hinter denjenigen der Alpen kaum Zurückbleiben. Freilich sind dieselben wegen ihrer Lage nahe am Äquator nicht mit Schnee bedeckt; nur in den Morgenstunden sieht man gelegentlich einen zarten, weißen Anflug von Neuschnee, der aber unter den Strahlen der höher steigenden Sonne schnell schmilzt. Gelangten einige Expeditionen bis zu den Vorbergen dieses gewaltigen Massivs, so drang doch- noch niemand in die höheren Bergregionen ein, und ebenfalls gänzlich unbekannt ist das Gebiet zwischen dem Bismarckgebirge und der englischen Grenze. Zweifellos wird dasselbe ebenfalls von zerklüfteten Bergen ausgefüllt.
Hat man die wilde Ray-Küste hinter sich und nimmt das Schiff nach Passieren der volkreichen Dorfinsel einen mehr südlichen Kurs, so ändert sich die Szenerie: Das Land steigt zum Cromwell-Berge terrassenförmig auf und der sonst überall vorhandene, wunderbar üppige Urwald ist durch Alang-Steppe ersetzt. Erst in der Nähe von Finschhafen tritt der Urwald wieder in seine Rechte. Dort erhebt sich weithin sichtbar, ziemlich nahe der Küste, der etwa 1000 m hohe Sattelberg, auf dem sich die Erholungsstation der Neuendettelsauer Mission befindet.
Während wir weiter steuern, lassen wir die niedrigen Tami-lnseln links liegen und biegen in den riffreichen Huongolf ein. Bald haben wir die Rawlinsonberge zur Rechten, die vom Meere aus als eine bis nahe an die 8