Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
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ABSCHNITT 1.

DIE WISSENSCHAFTLICHE AUSRÜSTUNG.

Wo es gilt, eine so schwierige Aufgabe, wie sie uns beim Studium des Menschen in Neu-Guinea entgegentritt, der Lösung näher zu bringen, ist der photographische Apparat das wichtigste und unentbehrlichste Hilfsmittel. Der Reisende soll aber die Kamera nicht nur besitzen, sondern sie auch gebrauchen können, und zwar unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen. Der Anthropologe, welcher als photographischer Stümper nach Neu-Guinea geht, hat seinen Beruf verfehlt. Keine Zeichnung, keine Messungen und mögen sie scheffelweis ausgeführt werden, vermögen das photographische Bildnis zu ersetzen; es kommt, da die Papuarasse nichts weniger als ein­heitlich ist, darauf an, ein weitschichtiges Material vergleichend neben ein­ander betrachten zu können. Von vielen Dingen erlangt man überhaupt nur durch die Photographie eine richtige Vorstellung.

Bei Beschaffung der photographischen Ausstattung leitete mich der Gedanke, so ausgerüstet zu sein, daß bei Verlust eines Teiles der Sachen der verbleibende Rest immer noch für erfolgreiches Arbeiten ausreichte. Aus diesem Grunde wurde beispielsweise die bei Benutzung langer Brenn­weiten an die Kamera anzusetzende Verlängerung so eingerichtet, daß sich letztere als selbständige Kamera verwenden ließ. In gleicher Weise ergaben die Zwischenstücke für die Schlitzverschlüsse, Gelbscheiben und für die verschiedenen Kassetten, wenn sie zusammengesetzt wurden, wiederum eine Kamera, oder sie konnten als Verlängerung einer anderen Kamera dienen. In Neu-Guinea, wo beim Ausbooten und auf reißenden Flüssen sich reichlich Gelegenheit bietet, mitsamt dem Gepäck unfreiwillig ins Wasser zu geraten, ist diese Vorsicht doppelt nötig.

In vierzehnjähriger Tätigkeit als Herausgeber derPhotographischen Rundschau lernte ich alle Neuerungen auf photographischem Gebiete praktisch kennen und konnte das für eine solche Reise Brauchbarste heraussuchen. Um die schwebende Frage zu entscheiden, ob für den Tropenreisenden in einem so feuchten Klima Apparate aus Holz oder Metall vorzuziehen sind, erprobte ich beide Arten und erzielte mit beiden einwandsfreie Erfolge. Daß hierbei nur allerbestes Material in Frage kommt, ist selbstverständlich. Die hölzernen Apparate lieferte die auf diesem Gebiete unerreichte Firma Stegemann in Berlin. Von Metallkameras wurde die aus Aluminium ge­fertigte, mit Neusilberkassetten versehene Alpinkamera von Voigtländer & Sohn, A.-G. in Braunschweig mitgeführt.

1 Neuhauss, Neu-Guinea I.

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