D IE drei Bände des vorliegenden Reisewerkes behandeln das Festland von Deutsch Neu-Guinea (Kaiser-Wilhelmsland), welches immer noch zu den am wenigsten erforschten Gebieten der Erde zählt, obgleich es bereits seit 26 Jahren zu Deutschland gehört. Während im letzten Jahrzehnt sich ein Strom von Forschern auf die großen vorgelagerten Inseln, den Bismarck-Archipel, ergoß, machten nur wenige einen schüchternen Versuch, Kaiser-Wilhelmsland näher zu betrachten. Die Tier- und Pflanzenwelt ist in einzelnen, allerdings fast ausschließlich der Küste nahe gelegenen Gebieten leidlich erforscht; dagegen blieb unsere Kenntnis des Menschen überaus lückenhaft. In Büchern und Zeitschriften findet sich zerstreut manches schätzenswerte Material. Es sind aber fast durchweg Einzelbeobachtungen, und allerwärts vermißt man den Überblick über das Ganze.
Um den Papua kennen zu lernen, genügt es nicht, sich ein paar Küstenbewohner oberflächlich anzusehen. Wollen wir auch nur einen einzigen Schritt vorwärts kommen, so müssen wir die über das ganze Land verbreiteten, recht verschiedenartigen Völker, hauptsächlich die Inlandstämme, untersuchen. Bei den Küstenleuten und den Bewohnern der nahe vor der Küste gelegenen kleinen Inseln vollzogen sich reichliche Vermischungen. Ferner wanderten nicht wenige Küstenstämme erst in später Zeit ein. Nur in vereinzelten Gebieten wohnen die ureingesessenen Papua bis zum Meere.
Während eines 19 Monate langen ununterbrochenen Aufenhaltes in Kaiser-Wilhelmsland, wobei ich die Küste von der englischen Grenze am Huongolf bis zur holländischen Grenze wiederholt bereiste und mehrere Vorstöße tief in das Innere hinein unternahm, war ich bemüht, das den verschiedensten Gebieten entstammende Menschenmaterial zu untersuchen. Die hierbei gewonnenen 764 Photographien nebst Messungen und sonstigen Angaben über die dargestellten Personen sind in Band 2 veröffentlicht.
Nicht nur die ganze äußere Erscheinung des Papua bleibt maßgebend für die Beurteilung der Stellung dieses merkwürdigen Volkes innerhalb des Menschengeschlechts. Auch Sitten und Gebräuche, Sprachen, Gesänge, Sagen und Erzählungen, vor allen Dingen aber die religiösen Anschauungen müssen eingehend berücksichtigt werden. Der Forscher sieht sich also vor Aufgaben gestellt, die ein Einzelner . schon, deshalb nicht bewältigen kann, weil es ihm unmöglich ist, die unendlich mannigfaltigen Papuasprachen zu erlernen, ohne die ein tieferes Eindringen-in das Geistesleben ausgeschlossen bleibt. Dazu kommt die große Zurückhaltung des Papua dem Fremden gegenüber und die Scheu, sein Inneres zu offenbaren. Wir müssen uns also nach Hilfskräften umsehen und werden in erster Linie das Augenmerk auf die Missionare richten, deren Beruf es erfordert, sich mit den Landes-
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