Propaganda in Deutschland.
Diese Kulturen waren für die deutsche Industrie und das gesamte Wirtschaftsleben von außerordentlicher Bedeutung. Wollte Deutschland hoffen vom Ausland unabhängig zu werden, so mußte es suchen, die Rohstoffe, deren es bedurfte, in den eigenen Kolonien zu erzeugen.
In Deutschland machte das Interesse für koloniale Bestrebungen sehr langsame Fortschritte; weiteste Kreise schienen für dieselben durchaus keinen Sinn zu haben. Das Großkapital, das in fremden Ländern sehr unternehmungslustig war, blieb zugeknöpft, wenn es sich um deutsche Kolonien handelte. Die ganze Sache war noch zu jung und noch nicht in die Volksseele eingedrungen, wie in England und bei anderen Völkern, die eine alte Kolonialerfahrung besitzen.
Es galt nun, eine ausgedehnte Propaganda zu betreiben. Hiermit befaßte sich vor allem das in Berlin neugebildete kolonialwirtschaftliche Komitee.
Unter dem Kolonialstaatssekretär Dr Dernburg, der im Jahre 1907 auch selbst unsere Kolonien in Afrika besuchte, um sie aus eigener Anschauung kennen zu lernen, nahm das Interesse für den Ausbau der Kolonien einen kräftigen Aufschwung.
In der Heimat war unterdessen eine energische Propaganda im Gange, um das Großkapital für unsere Kolonien zu interessieren. Insbesondere sollte die deutsche Baumwollindustrie dafür gewonnen werden, Ländereien in Afrika zu erwerben, um das Rohprodukt in Zukunft aus den eigenen Kolonien zu gewinnen und allmählich von der Monopolisierung durch Amerika und den Maklertributen an England freikommen zu können.
Wie bereits erwähnt, waren in unseren Kolonien seit einer Reihe von Jahren Versuche mit der Kultur von Baumwolle