Ostafrika vor dem deutschen Einfluß.
Am Indischen Ozean gelegen, hatte Ost-Afrika schon vor alten Zeiten einen Handelsverkehr mit Ägypten, Arabien, Persien und Indien unterhalten und, wie es scheint, selbst mit Ost-Asien. Der Handel, der wohl meist von Arabern betrieben wurde, war eine Raubwirtschaft und galt in erster Linie dem Elfenbein und Sklavenhandel und den durch den afrikanischen Tierreichtum bedingten Ausfuhren von Fellen und Häuten. Zu diesen Zwecken waren schon lange vor der Ankunft der Europäer arabische, persische, indische Händler an den Küstenplätzen und auf den vorgelagerten Inseln Zansibar, Pemba und Mafia ansässig. Ein kultureller Einfluß scheint so gut wie gar nicht ausgeübt worden zu sein, höchstens — und das in sehr geringem Maße — den Küsten entlang. Im Innern herrschten noch vor dreißig Jahren die rohesten Zustände, unter welchen die Sklavenjagden die traurigste Rolle spielten.
Auch wurde den abgegebenen materiellen Werten gegenüber kein reeller Gegenwert geleistet; wenn nicht geraubt wurde (Sklavenhandel), bestand ein sehr einseitiger Tauschhandel: für Elfenbein, Edelmetalle u. s.f. wurden Glaswaren Pulver, Flitterkram, eventuell billige Stoffe zurückgegeben; also auch hierin Raubwirtschaft.
Der erste europäische Einfluß begann im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen, welche nach der Entdeckung des Seeweges (1498) um Südafrika nach Indien einige Küstenplätze Ost-Afrikas besetzten, im übrigen aber ebenfalls keinen kulturellen Einfluß ausübten.